Mein Leben mit Bienen
Als Imker im häuslichen Bereich,
als Reisender in europäischen und fernen Ländern

Die Bienen-Idylle hinter einem Teich und unter einem Walnussbaum
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Mein Bienenwagen mit acht Hinterbehandlungs-Beuten/Blätterstöcken
Wenn ich in meinen Erinnerungen bis in meine Kindheit zurückgehe, dann höre ich zunächst in meinen Ohren das Summen der Insekten, das aus den Schilderungen eines Hermann Löns meine Fantasie und meine Sinne belebt. Dann rieche ich den Honig und den Wachs, der aus den Bienenstöcken dringt. Ich sehe einen kleinen Ziegelbau mit Dach. Davor schwirren im hohen Gras unzählige Bienen. Magnetisch zieht es mich immer wieder hierhin. Die Bienen sind so beschäftigt, dass sie mich gar nicht beachten. Aber ich spüre sie, die Luft scheint von den schwirrenden Flügeln zu vibrieren, ich rieche sie süß-herb-harzig. Später weiß ich, der narkotisch wirkende Duft geht nicht nur vom Honig und vom Wachs aus, es ist der Stockgeruch der Bienenköniginnen. Das liegt jetzt etwa 62 Jahre zurück.
Als wir 1981 einen alten Bauernhof in der Bauernschaft Hoxfeld beziehen, gehören die Honigbienen natürlich zu unserem Landleben dazu. Zusätzlich zu den Schafen, Gänsen, Enten, Hühnern, dem Hahn Roderich, den Zwerghühnern, den 60 Karpfen und unserer Recklinghäuser Stadtkatze Nina besorgen wir uns im April 1982 Honigbienen, die in einem zweistöckigen Holzkasten leben, den ich zunächst auf Steinen am Waldrand hinter einem Graben aufstelle und mit Wellblech abdecke. Wie sich herausstellt, ist der Platz zwar sehr windstill, aber etwas feucht, obwohl das Flugloch in Richtung Süden zeigt. Weiße Tierchen zeigen sich. Trotzdem ernte ich von dem Volk im Juni 33 Pfund wunderbar duftenden, weiß-gelben Honig. Als das Volk dann im Sommer schwärmt, bin ich im Grunde froh, dass es auf und davon ist, weil sich gezeigt hat, dass das Volk aus wilden Stechern besteht, die mich immer wieder verfolgen. Aber ein Rest Bienen bleibt mit der alten Königin im Stock, so dass ich im Herbst nochmal 6 Pfund goldgelben, etwas säuerlichen, aromatischen Honig heraushole, der sehr lange flüssig bleibt und erst im folgenden Jahr kandiert.

Nach einem Bienenstich dauert die Schwellung etwa eine Woche.
Meine Liebe zu den Bienen wird auf eine arge Probe gestellt, besonders als sich herausstellt, dass ich ungewöhnlich heftig auf Bienenstiche reagiere. Ohne Schutzkleidung kann ich mich ihnen nicht nähern. Als ich höre, dass im Bocholter Imkerverein die besonders sanfte Jansen-Biene gezüchtet wird, kaufe ich beim Vorsitzenden zwei Ableger und trete dem Verein in Erwartung einiger Hilfe für kurze Zeit bei. Hilfe finde ich allerdings nur in einer Bienenzeitung.
"Welche Beuten sind die besseren?"
"Welche Bienenrasse ist die vorteilhafteste?"
Die Bedrohung der Imkerei durch die Varroa-Milbe
Um alle Vorgänge im Bienenstock zu verstehen, kaufe ich mir einige Bücher für Imker, aus denen ich mir immer wieder Rat und Aufklärung über die beobachteten Vorgänge hole. Schließlich bin ich ganz unbedarft in die Landwirtschaft eingestiegen, habe keine Ahnung von Gärten mit Gemüse, Obst und Tieren. Allein meine Freude an der Natur und meine Neugierde bestimmen mein Handeln. Zusammen mit Christa und meinem Sohn Matthias renoviere ich das alte Bauernhaus und mache es wieder bewohnbar. Noch ahnen wir nicht, dass dies neu begonnene Leben in der Natur und mit der Natur uns 26 Jahre lang immer wieder aufs Neue herausfordern wird. Überschwemmungen draußen und drinnen, herunterfliegende Dachziegel, verstopfte Wasserleitungen, Füchse und Habichte und eine wuchernde Natur fordern uns heraus. Ein spannender Lebensabschnitt hat begonnen.

Meine drei ersten Nenninger-Beuten in Hoxfeld, 1982
Im folgenden Jahr bauen wir aus Brettern, alten Teilen eines Hundezwingers und alten Fenstern ein Bienenhaus mit Arbeitstisch und Schrank. Ein komfortables Häuschen, wie Christa anerkennend meint. Hinter den Fenstern können wir geschützt bei jedem Wetter den Bienenflug vor den drei Nenninger-Beuten beobachten. Ich kaufe einer Biologielehrerin aus Borken zwei dreistöckige Nenninger-Beuten ab, die durch hintere Glastüren eine dauernde Sicht auf das Bienenvolk ermöglichen.
Gleich am Anfang meiner Imkerzeit erfahre ich, dass der Umgang mit Bienen nicht nur gefährlich sein kann, sondern auch teuer ist. Das notwendige Zubehör, eine Honigschleuder, leere Gläser, eine Sonnenwachsschmelze, kosten über 900 DM. Dazu kommen die Einfütterungskosten für den Winter. Jedes Bienenvolk bekommt 10 L Zuckerwasser, d.h. 3 kg Zucker, womit sie gut über den milden Winter kommen.Die Bienen bedanken sich mit 120 Pfund Honig.

Bienenbrett mit Einflugloch aus Slowenien (Radovljici): ein Schwarm wird gefangen.
Der erste Winter 1982/83 ist so mild, dass ich überrascht feststelle, dass die Bienen gar nicht richtig zur Wintertraube zusammenrücken. Jeden Monat veranstalten sie Reinigungsflüge und beschmutzen die draußen hängende Wäsche. Ins kleine Stecher-Volk dringt sogar eine Maus ein, weil das Einflugloch nicht richtig eingeengt worden ist. Als dann der Frühling kommt, setzen sie an den Beuten viele gelbe Häufchen ab. Ein anderes Bienendrama schockt uns aber besonders. Ein kleiner Ableger hatte schon Anfang März zu brüten begonnen und dabei den gesamten Futtervorrat verbraucht. Er verhungert. Die Brutfeuchtigkeit hätte uns warnen müssen. Schon Mitte März war keine Flugtätigkeit mehr zu beobachten. Bei der Öffnung der Beute stellen wir mit Entsetzen fest, dass alle Bienen tot sind. Die Bienen stecken noch in den Zellen, als ob sie verzweifelt nach Futter gesucht hätten.

Ein Bienenschwarm über unserem Stadthaus in Bocholt
Um Reservevölkchen mit Königin zu haben, bilde ich im oberen Stock der Nenninger-Beuten Ableger. Inzwischen erleben wir im Mai regelmäßig das Schwärmen der Bienen. Nach der Obstblüte im Mai schwärmen die Bienen meist in der Mittagszeit. Um das Einfangen zu erleichtern, besprühe ich die Bienentraube, die sich meist an dieselben Bäume in der Nähe hängt, mit Wasser. Dann kann ich sie leicht in einen leeren Kasten schlagen in der Hoffnung, dass auch die Königin sich unter den Bienen befindet. Später setze ich Vorsatzgitter vor die Fluglöcher, so dass die Königin und die Drohnen die Beuten nicht verlassen können. Ein Schwarm bezieht einen Strohstülper, den ich am Haus aufgehängt habe.Dieses Volk betrachte ich als reines Experiment. Im folgenden Jahr verlassen zwei Schwärme den Korb. Der erste Schwarm bei Sonnenschein und der zweite 10 Tage später bei Regenwetter.
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links: eine Schwarmtraube -
rechts: Bienen werden durch Vorsatzgitter am Schwärmen gehindert.
In unserem Obstgarten sorgen die Bienen für Rekordernten. 1990 ist unsere Honigernte auf über 250 Pfund gestiegen.
1985 ist die Zeit des vergnüglichen, einfachen Imkerns vorbei. Die Varroa-Milbe hat meinen Bienenstand erreicht. Das erste befallene Volk baut keine Waben mehr aus, hat keine Brut und die Bienen wandern zum Nachbarvolk ab, was dadurch besonders stark wird, aber sicherlich auch mit den Milben wird leben müssen. In diesem Jahr muss ich mich zum ersten Mal mit der Bekämpfung der Milben beschäftigen: die Drohnenbrut, in der sich die Milben besonders stark vermehren, muss ausgeschnitten werden und 65% ige Ameisensäure muss in die Zwischenräume der Waben eingeträufelt werden oder mit Hilfe einer Filzplatte auf die Waben gelegt werden. Von den Imkern werden immer wieder neue Bekämpfungsmethoden vorgeschlagen.
1995 trifft mich zum ersten Mal die totale Katastrophe durch die Varroamilben. Trotz Ameisensäurebehandlung brechen alle Bienenvölker zusammen. Da ich meine Bienenkästen immer in der Nähe des Wohnhauses stehen habe, fehlt plötzlich etwas Lebendiges. Eine Welt ohne summende Bienen ist für mich arm. Ohne Bienen geht es nicht. Als sich die Gelegenheit ergibt, einen Bienenwagen mit 8 starken Völkern aus Raesfeld zu kaufen, greife ich zu. Mit 550 Pfund Honig erreiche ich eine Rekordernte.
Seit 2007 leben wir ohne Schafe, Enten und Hühner am Stadtrand von Bocholt, aber mit Bienen und einer Katze.

Mein erster Bienenstand mit Styropor-Zargen in Bocholt, 2007
Video: Bienen im Anflug im April 2010, 18.15 Uhr
Kurioses
Bisher glaubte ich immer, dass die Bienen ihre Waben nach unten bauen. In den Styroporbeuten erlebe ich luftige "Hochhäuser". Eine weitere Überraschung sind die sandigen Ameisengänge auf einer stehenden Wabe im Innern eines Volkes. Ebenfalls stelle ich fest, dass im Winter nicht nur Mäuse die Wärme im Bienenkasten lieben, sondern auch große Nacktschnecken von der Art Tigerschnegel.
Bienenhaltung in anderen Ländern
Trotz der vielen Arbeit auf unserem Bauernhof finden wir in den Schulferien noch Zeit für Reisen durch Europa und durch entfernte Länder. Auf diesen Reisen lerne ich viele Imker kennen und ihren Umgang mit Bienen. Vor allem sehe ich, wie ein Leben mit Bienen nicht vom Gebrauch industriell hergestellter Beuten abhängt. Die Rechthaberei und der heimische Streit über die Verwendung der besseren Beuten erscheint mir nun in einem ganz anderen Licht. Bienen sind nicht so wählerisch beim Bezug einer Wohnung, wie Vereinsimker vorgeben. Besonders interessant finde ich, dass nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in Europa Imker mit einfachsten Mitteln Bienen halten, um Honig zu ernten.
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Bienenwohnungen auf den Kanarischen Inseln: Gomera (1985 oberhalb von Höhlenwohnungen bei Gerian) und Gran Canaria (1990 bei La Aldea de San Nicolas)
"Welche Beuten sind die besseren?"
Auszug aus dem Buch " Aufsatz über die Bienenzucht" (Kortüm 1796).
"In wärmern und waldigen Gegenden, wo Bäume und Gebirge eher gegen die Kälte schützen, da laß ich es gelten, wenn man sich hölzerne Wohnungen für die Bienen anschaffen will. Aber in ebenen und flachen Gegenden, die schon nördlicher liegen als andere, wie z. B. unser Mecklenburg, sind solche Wohnungen offenbar zu kalt. Wenn sie nicht sorgfältig bedeckt werden, so erfrieren und verhungern die Bienen weit leichter darin, als in Strohkörben.[ …] Ich sagte, daß die Bienen in solchen Kasten eher verhungern, und dies kann selbst bey noch einigem Vorrathe von Honig geschehen."

Weidengeflecht mit Abdichtung aus Frankreich (Landes)

Hohle Baumstämme mit Bienen in Frankreich,
vor allem in Kantabrien (1988, Cucayo und Espinama/Fuente De).

Strohstülper in Frankreich
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Bienenstöcke im Ötztal (Österreich, 2003) und in Tschechien (Prerov, 1993)
"Welche Bienenrasse ist die vorteilhafteste?"
Manche "Glaubenskriege" werden noch immer zwischen den Carnica- und Buckfastzüchtern geführt. Vor allem wirtschaftlich orientierte Imkereien (Berufs- und Erwerbsimker) halten gerne die Buckfast-Biene.
Die gemeine dunkle Biene, auch deutsche Biene: "seit uralter Zeit in Deutschland verbreitet", dunkelbraun, grau oder schwarze Farbe, weniger lebhaft und geringere Schwarmlust als die Heidebiene. Aus Mitteleuropa nahezu verdrängt, wird die ursprüngliche Biene heute in Deutschland von der "Gemeinschaft zur Erhaltung der Dunklen Biene (GEDB)" vor dem Aussterben bewahrt.
Verglichen mit der Dunklen Biene ist die Kärntner Bienenrasse genau so vital, sehr schwarmfreudig, aber deutlich ruhiger und friedlicher.
Die zweite Hauptrasse ist nach Dathe die "bunte südeuropäische Biene". Zu dieser Rasse zählt Dathe auch die holländische, brabantische, griechische und cyprische Biene, soweit sie gelb oder rostfarben geringelt ist. Sie ist unbestritten die schönste aller Bienenrassen. Dabei ist sie sehr fruchtbar, fleißig und lebhaft, aber sehr stechlustig.
Die dritte bedeutende europäische Rasse ist die Italienische Biene (Apis mellifera ligustica). Das Verbreitungsgebiet deckte sich ungefähr mit den Landesgrenzen Italiens. Die "Ligustica-Biene" ist sehr brut- und sammelfreudig und wurde in vielen Großimkereien eingesetzt. Sie scheint auch gefeiter gegen die Varroa-Milbe zu sein als die anderen Bienenrassen. (nach Monika Walter, Der Bien)
s.a. Bienenrassen: Einführung in die Imkerei/ Bienenkunde

Bienenhaus in Saas Grund (Schweiz, 1983)

Bienen im Tessin (Aquarossa, 2008)

Mit Gras abgedeckte Bienenröhren in Marokko (Sidi R´bat, 1990)
Georg Dathe unterscheidet vier verschiedene Arten von Bienen.
1. Die Honigbiene oder Imme (Apis mellifica, zu deutsch honigmachende Biene), welche in allen fünf Erdteilen verbreitet ist.
2. Die große südasiatische Biene (Apis dorsata). Sie ist größer, wespenartig länger, als die Honigbiene.
3. Die indische Biene (Apis Indica), welche um die Hälfte kleiner als unsere Honigbiene ist.
4. Die kleine südasiatische Biene (Apis florea), noch kleiner als die indische Biene. "Lehrbuch der Bienenzucht", 1876.
Imkerei im Jemen
1993, 1995, 1997, 2004, 2008
2000 Jahre alte Felszeichnungen im Wadi Jirdan und Beschreibungen im "Buch der Pflanze" aus dem 9.Jh. (von Al-Dinawari) weisen auf Bienenzucht in ganz Südarabien hin. Drei Gebiete mit Bienenzucht habe ich kennen gelernt: die heiße Küstenzone Tihama am Roten Meer, die Westseite des jemenitischen Gebirgsrückens etwa 800 m hoch, das Wadi Doan/Hadramaut und die Insel Sokotra. Die vielen Imker, auch in den Dörfern, haben mich überrascht, da es keine Kulturlandschaften gibt, sondern nur den kargen, natürlichen Pflanzenbestand, Akazienbüsche und Euphorbien, die nach den Regenzeiten (April bzw. Oktober) blühen.
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Bienenröhren in der Tihama/Jemen, 2008

Außer Bienen nutzen auch andere Insekten die Kakteenblüten.
Wir haben im November-Dezember südlich von Taiz die Euphorbiablüte erlebt. Die Kanten der Pflanzen sind mit unzähligen kleinen gelben Blüten bedeckt, deren Nektar bei einem Regen allerdings ausgewaschen wird. Nach der Euphorbienblüte werden die Bienenvölker oft in die Tihama zur Akazienblüte (bis in den März) gebracht. Früher benötigte ein Imker aus dem Wadi Dabab für die Reise in die Tihama zum Wadi Zabid für 200 km 10 Tage, nur nachts wurde gewandert, jetzt braucht ein Imker nur noch 4 Stunden. Die Imker in dem Hadramaut, die lange, schwere Tonröhren benutzen, wandern nicht.

Typische Bienenwohnungen im Jemen
Meistens werden ausgehöhlte Stammstücke oder zusammengenagelte Kisten aus schmalen Brettern des Sukam-Baumes als Bienenwohnungen genutzt. Eine weitere traditionelle Art ist ein Zylinder aus gesplittenem Rohr, der mit Kuhmist und Lehm abgedichtet wird. Die Enden werden mit Holzdeckeln verschlossen. In Äthiopien werden meist Deckel aus Dosenblech oder Plastik verwendet. Interessant ist, dass die Imker seit alter Zeit an Beuten mit einer Länge von 160 cm und einem Durchmesser von 9 cm bzw. an Kisten von 14 x 9 cm festhalten. Das Geheimnis dieser Maße beruht auf der Beobachtung, dass die Bienen bei diesem Durchmesser Honig und Brut trennen, so dass man die hinteren Waben als Honigwaben ausschneiden kann. Normalerweise legen Bienen die Honig- und Pollenzellen immer in einem Halbkranz über den Brutzellen an. Etwa 20 Röhren werden meist gebündelt auf ein Eisengestell gelegt, gegen Ameisen in Wasser gestellt und gegen Sonne mit Papier oder Stoff bedeckt. In dieser Weise habe ich ebenfalls Imkereien in Marokko gesehen.
Die Apis mellifera yemenitica ist kleiner und sanfter als die europäische Biene und hat graue Streifen auf dem Hinterleib.
Als wir unser Interesse an den Bienen zeigen, die gleich neben dem Haus stehen, kommen Frauen. Eine Frau stülpt eine Haube über, nimmt ein glimmendes Stück Holz oder Kuhdung und schneidet mit einem langen Messer eine hintere Honigwabe aus, um sie uns zu schenken. Die Wabe sitzt voller Bienen, aber niemand von uns wird gestochen. Als wir Stücke von der triefenden Wabe abbrechen und den nach Orangenblüten und scharfem Pfeffer schmeckenden Honig mit den säuerlichen Pollen probieren, kann ich die gutmütigen, kleinen, jemenitischen Bienen, die am Abdomen blassgraue Streifen zeigen, unbekümmert mit dem Finger abstreifen.

Eine Imkerin schneidet für uns Honigwaben aus den Kästen.
s. Reisebericht: Mit Kamelen im Djibal al-Khadra, 2004
In Trockenzeiten gehen oft über 50 % der Völker zugrunde, da kein Zuckerwasser zugegeben wird. In den einsamen Gegenden an der Küste oder in Wadis betreiben Männer die Imkerei. Da viele Jemeniten oft jahrelang im Ausland arbeiten, üben in den Dörfern die Frauen das Handwerk aus. Der Honig wird in Flaschen oder Büchsen verkauft. Wenn oben noch Wachsreste, Pollen, Larven und tote Bienen schwimmen, so ist das ein Zeichen der "Reinheit" des Honigs, d.h. hier handelt es sich um garantierten Landhonig (baladi) und nicht um billigen importierten Honig aus Australien. Der Honig wird im Jemen als Medizin teurer als in Deutschland verkauft. Für einen Christusdorn-Honig wurden 1993 im Hadramaut für 1 kg 100-250 DM verlangt.
Bei unserer Reise durchs Hadramaut sehen wir im Wadi Jischbum ähnliche Holzbeuten (meist aus Brettern). Andere Beuten sehen wir auf dem Weg von Shibam nach al Qatn, als wir an einer Töpferei vorbei kommen, wo ein Meter lange Tonröhren hergestellt werden, die an der einen Seite offen sind und an der anderen Seite sich zu einem kleinen Loch verengen.
Im Hadramaut ist die Imkerei schon wesentlich weiter entwickelt als auf der Insel Sokotra. Dort wandern Tausende von Imkern bis zu fünfmal im Jahr mit Lastwagen zu verschiedenen Trachtplätzen. Besonders das Wadi Doan wird im Oktober wegen der Blüte des Christusdorns von den halbnomadischen Imkern angewandert. Weitere ertragreiche Wadis sind Wadi Amd, Wadi Ayn, Wadi Rakhya und Wadi Jirdan. Manche Imker haben 100 bis 200 Beuten. Im Wadi Doan habe ich allerdings 1995 nur ausgehöhlte Palmenstämme, Bretterkästen und Tonröhren gesehen, keine großen, modernen Holz- oder Kunststoffzargen, wie sie die französischen Imker nach Sokotra gebracht haben.
Die Imker gewinnen im Jemen 12 verschiedene Sorten Honig, wobei der dunkle, würzige Akazienhonig und der karamelartige Jujuba-Honig am wertvollsten sind. Der im Winter geerntete Honig ist wiederum besser als der zu anderen Jahreszeiten geerntete. In früheren Zeiten wurde der Honig in Ziegenhäute gefüllt und in Kürbisgefäßen aufbewahrt. Der Transport der Bienen in andere Regionen erfolgte mit Kamelen.
Während der großen Regenfluten im Oktober 2008 wurden in den Wadis des Ostjemen 1806 Lehmhäuser zerstört, 400 Höfe, 180 Schulgebäude und 58 Brunnen. Dazu wurden 7000 Bienenröhren weggeschwemmt.
In Dubai wird der teure Honig sogar an die Rennkamele vor einem Rennen verfüttert, damit sie dadurch die notwendige Energie gewinnen. Nach jemenitischer Tradition bekommt eine Mutter nach der Geburt eines Kindes Honig und geschmolzene Butter zur Stärkung. In der Volksmedizin wird Honig auch gemischt angewandt, z.B. mit Myrrhe gegen Verstopfung, mit Möhrensamen als Aphrodisiakum, mit Riesenfenchel, einem stinkenden Gewürz, gegen Blähungen und zur Erleichterung der Menstruation und gemischt mit anderen Pflanzen gegen Epilepsie.
Die Imkerei auf der jemenitischen Insel Sokotra, 2008

Ungewöhnliche Nektarquellen: der Drachenbaum und Christusdorn
Entgegen der Behauptung von W.Wranik, dass es auf Sokotra keine Bienenhaltung gebe, versichert mir der Inhaber des Imkerladens in Hadibo, dass es auf der Insel etwa 1200 Bienenvölker gibt. Die Seuche der Varroa-Milbe, die in fast allen Teilen der Welt die Bienenvölker zerstört, gibt es hier noch nicht.

In diesem Tamariskenstrauch (tamarix sp.) in den Dünen vor dem Mangrovenstreifen summen die Bienen wie in einem Kirschbaum im Mai.
2005 besuchte ein französisches Imkerehepaar die Insel und beschloss, den Inselbewohnern zu helfen. Der Honig, der hier wild gesammelt wurde, brachte den Händlern in den Emiraten als Medizin und Aphrodisiakum einen Gewinn von 200 € pro Kilo. Die Einheimischen aber erhielten nur 15 € für das Kilo. Mit Hilfe der französischen Botschaft brachten die Franzosen 200 Beuten und Schutzkleidung nach Sokotra und unterrichteten 15 Leute in der europäischen Imkerei. Mit 200 000 € Zuschuss haben sie inzwischen einen lokalen Imkerverein initiiert, der die Imker berät und ihre Produkte vermarktet. (Bereits 1984 wurde auf Sokotra eine Fischerei-Genossenschaft gegründet, die inzwischen über 2000 Mitglieder hat.) Eine Besonderheit ist der Honig aus den Blüten des Drachenbaumes. Daneben bringen die Blüten des Christusdorns einen reichen Ertrag. Da der Boden der Insel von vielen kleinen Blüten bedeckt ist, finden die Bienen ein großes Nektarangebot.
Leider hat unser Team billigen Honig aus Australien, China und Indien für unsere Trekkingtour eingepackt. Auf Grund von Kostproben bei einigen Imkern kann ich mir ein Bild vom Geschmack des Sokotra-Honigs machen. Der schwarze Honig erinnert an einen starken Hustensaft, während der helle Honig einen scharfen, pfeffrigen Geschmack hat und im Hals kratzt.
Bienen und Imkerei im Oman
s. Reisebericht: Rundreise durch ein Wunderland, 2007

Ein hohler Palmstamm mit Einflugloch

Hohle Palmstämme ohne Bienen im Oman
Aus dem Reisetagebuch: Das erste Ziel heute ist ein Imker, der neben seinem Haus in einem ummauerten Areal hunderte von Bienenröhren aus Palmstämmen liegen hat. Da erst in einigen Monaten zur Akazienblüte Nektar zu erwarten ist, hat er keinen Honig zu verkaufen. Die Bienen tragen z. Zt. nur Pollen ein. Wahrscheinlich wäre der Honig uns viel zu teuer, da er wie in arabischen Ländern üblich als Medizin angesehen wird und pro Pfund für 20 € verkauft wird und nicht wie unser deutscher Honig für 3.50 €.
Im Oman gibt es, anders als in europäischen Ländern, zwei Arten von Honigbienen. Die große östliche Biene und die Zwerghonigbiene (Apis florea). Das sind zwei der acht in Asien vorkommenden Arten aus der Gattung der Honigbienen (Apis). Das Verbreitungsgebiet der Zwergbiene reicht vom Oman bis zu den indonesischen Inseln. In den achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurden Zwerghonigbienen in den Sudan eingeführt, in den frühen neunziger Jahren wurden sie auch im Irak nachgewiesen. Auf meiner Reise durch Südäthiopien schilderten die Einheimischen uns bereits das Vorkommen der wilden kleinen Bienen.
Die Zwergbienen lassen sich nicht in Beuten halten. Sie bauen ihr Nest, nur eine etwa handtellergroße Wabe, im Freien an einem Zweig an. (2011 entdecken wir eine Wabe von Apis florea an der Steindecke eines südindischen Tempels.) Am oberen Ende des Nestes befindet sich eine waagerechte Plattform, die für den bienentypischen Schwänzeltanz genutzt wird. Trotz der kleinen Wabenfläche können sie bis zu 20.000 Individuen umfassen. Die Brut- und Honigkammern lassen sich gut voneinander trennen. Das untere Stück der Wabe mit den Brutzellen wird abgeschnitten, zwischen zwei Tragestöcke gespannt und später an einem schattigen Ort aufgehängt. Im Gegensatz zu den großen Bienen haben die Zwerghonigbienen nur kurze Stacheln, die die menschliche Haut nicht durchstechen können.
Die kleine Biene lebt im Dhofar, wo traditionell keine Bienen in Beuten gehalten wurden, sondern nur der Honig von wilden kleinen Bienen gesammelt wurde. Der Nektar stammt meist von den sidra- und semra-Bäumen. Die Honigsammler beobachten, wie die Bienen in Wasserstellen und Feldkanälen Wasser holen und folgen ihnen zum Nest in einer Felsnische oder an einem Strauchast.

Im Vordergrund eine Bienentränke
Dagegen werden im nördlichen Oman in den Dörfern und Wadis des Jabal Akhdhar bei Rustaq in hohlen Palmstämmen die großen Bienen gehalten. Die Honigwaben befinden sich am hinteren Ende der Röhre und können jeweils herausgeschnitten werden. In den Oasen bestäuben die Bienen vor allem die Kokospalmen, die Mangobäume, Zitronen, Alfalfa und Wassermelonen.
Was lieben die Naga mehr - den Honig oder die weißen Bienenmaden? Auf dem Markt in Kohima wurden neben Hunden, Fröschen, Ratten, Raupen, "Ungeziefer", auch Bienenwaben mit Maden angeboten. Azo und Koj erklärten: "Wir lieben die weißen Maden, die schmecken köstlich. Wir suchen auch die Nester von Hornissen, indem wir Honig mit einem Baumwollbüschel an einen Baum kleben, um dann die Hornissen bis zu ihrem Nest verfolgen zu können."
In einigen Dörfern sahen wir auch kleine Bienenbeuten, die auf eine fortgeschrittene Bienenzucht verweisen, indem die Imker bewegliche Rähmchen in Holzkästen mit mehreren Etagen, Absperrgitter und Zusatzkäfige für die Königin und Schutzgitter gegen Mäuse benutzen.
Bei Reisen in die Himalaya-Region sehe ich häufig einige neue Bienenrassen: Monsterbienen und Mini-Bienen, die Honig produzieren.
"Die große (Apis dorsata) ist sehr wild und baut ihre Nester an die Aeste sehr hoher Bäume, in waagerechter Richtung und so groß, daß sie bisweilen einen Durchmesser von 6 Fuß erreichen. Die Eingeborenen, welche sich mit dieser Biene beschäftigen und `Wachsjäger` genannt werden, erklettern die oft 100 Fuß hohen Bäume mit brennenden Fackeln, vertreiben die Bienen mit Rauch, schneiden den Bau ab und lassen ihn an einem Seil herab. Die beiden anderen Arten scheinen wegen ihrer Kleinheit keinen großen Gewinn zu versprechen. Ein Missionar brachte z. B. ein Volk in einen Korb, aber dieses bauete, obgleich es fleißig fllog, binnen 2 Jahren den Korb nicht aus und lieferte keine Honigernte." (nach Dathe)
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Waben der Riesenhonigbiene an einem Felsen und eine moderne Beute auf einem Dach in Nepal
Die Riesenhonigbiene Apis dorsata und Apis laboriosa wird auch als Kliffbiene oder "Felsenbiene des Himalaya" bezeichnet. Die wildlebende Biene Apis laboriosa baut eine einzige, ca. 0,80 m breite und 1,00 m lange Wabe an steilen Felsenhängen im Himalaya (Abb. 74). Zur Gewinnung des Honigs muss die Wabe zerschnitten werden, wodurch auch die Brut des Volkes zerstört wird. Von diesem Honig, der oft sehr flüssig und unreif ist und deshalb schnell in Alkohol umschlägt, schenkte uns ein Naga eine halbe Flasche, die sich mit einem Plop öffnete und einen alkoholischen Duft verbreitete.
Anders als Apis mellifera lebt die indische Biene Apis cerana mit der Varroamilbe in einem angepassten und ausgeglichenen Verhältnis. Durch verschiedene Abwehrmechanismen, wie z. B. Putzverhalten und kürzere Zeit der Verdeckelung der Arbeiterinnenbrut, kann sich bei der asiatischen Biene die Milbe nur in der Drohnenbrut und auch nur in beschränkter Zahl vermehren. Eine medikamentelle Behandlung gegen die Varroamilbe ist deshalb in diesen Völkern nicht notwendig.
Für Asien besteht die Gefahr, dass die an die natürliche Pflanzenwelt angepassten heimischen Bienenarten immer mehr durch die Mellifera-Bienen verdrängt werden und damit die sich evolutionär herausgebildeten Bestäubungsleistungen durch heimische Honigbienen nicht mehr umfassend gesichert werden. Opfer des Verdrängungseffektes durch die Westliche Honigbiene sind insbesondere die Cerana-Imker, denen die Biene "des armen Mannes" verloren geht.
Bei mehreren Reisen nach Nordost-Indien stieß ich in den Bergen vom Nagaland, von Lohit in Arunachal Pradesh und von North-Cachar in Assam auf eine mir unbekannte Honigbienenrasse, zu der ich in der Literatur zunächst keine Hinweise fand. Nach dem Aussehen kamen nur die Grabwespen (Passaloecus gracilus) in Frage, aber die leben solitär. Eine weitere Einordnung wäre die Familie der stachellosen Bienen, aber mein Informant sagte mir, sie könnten auch stechen, wenn auch harmlos.
Die kleinen schwarzen Tierchen von der Größe kleiner Fliegen oder Ameisen lebten meist in Klotzbeuten, die draußen am Haus unter dem Dach standen oder an der Wand hingen. Bei meiner Frage nach dem Inhalt der Baumstücke sagte man mir, darin lebten Bienen. Beim Betrachten der spärlichen Bewegungen vor dem Einflugloch, das sich meist durch einen vorgebauten Trichter von etwa 5 cm auszeichnete, konnte ich nicht glauben, dass es sich hierbei um Honigbienen handeln sollte.
Bei meiner letzten Reise durch den indischen Bundesstaat Nagaland stieß ich erneut auf solche Beuten in dem Dorf Nokyan im Bezirk Tuensang. Aber diesmal traf ich einen Imker, der die Minibienen in einem kleinen Bretterkasten hält. Er findet die Völker im Wald, beschneidet der Königin die Flügel und setzt sie in seinen Bretterkasten, den er gut abdichtet, weil diese Bienen sehr kälteempfindlich sind. Nur einmal im Jahr, in den heißen Monaten März-April kann er bei ihnen Honig entnehmen. Der Honig wird nur als Medizin zum Aufstreichen auf Wunden genutzt. Er zeigte mir ein kleines Fläschchen und ließ mich von dem sehr flüssigen Honig dieser Bienen probieren. Er schmeckt etwas säuerlich nach Ameisensäure.
Inzwischen weiß ich, dass sie wohl zur Rasse der stachellosen Bienen (Trigona carbonaria) gehören, die auch in Australien gehalten werden. Ihr Biss ist schmerzhaft wie ein Moskitostich.
(s. Aussie Bee & Australian Native Bee Research Centre)
Nach der Fachliteratur gibt es in Asien acht Bienenarten, darunter nur zwei Minigattungen. Zwerghonigbienen (Apis florea) haben nur kurze Stacheln, die menschliche Haut nicht durchstechen können, und die noch kleineren Zwergbuschbienen (Apis andreniformis), die vorwiegend zur Mittagszeit fliegen. Daneben soll es noch eine nicht anerkannte Zwergart geben, die ihr Nest in Felsspalten und Höhlen hat, während die Zwergbienen der Arten florea und andreniformis an Bäumen und Bananenstauden offene Waben bauen. Von den Adivasi in Kerala, die Panniyan im Norden Keralas und die Kanikkar im Süden, werden sie "Cheruthen" - die Kleinen genannt. Sie produzieren im Jahr nur ein halbes Glas Honig, der im Ayurveda als Medizin eingesetzt wird. Ein Pfund soll etwa 40 € kosten. Er ist 10 mal teurer als die anderen bekannten Dschungelhonige (Kolthen, Pothuthen, Kombuthen und Kannithen).
Von den 1600 Arten australischer Wildbienen sind 14 Arten ohne Stachel. Diese Arten haben eine Vielzahl von Namen, wie z. B. Australian native honey bees, native bees, sugar-bag bees oder sweet bees. Die stachellosen australischen Arten sehen alle sehr ähnlich aus. Sie sind klein, schwarz mit haarigen Hinterbeinen zum Transport von Pollen und Nektar. Aus diesem Grund werden sie oft mit der Hummel verwechselt. (Bee Photo Gallery) Die zwei häufigsten Arten sind Trigona carbonaria und Austroplebeia australis, wobei die letztere Art kleiner und weniger aktiv ist. Beide Arten bevölkern das Gebiet um Brisbane. Weil sie für Menschen ungefährlich sind, findet man sie oft in den Gärten der Vorstädte.

Bruttöpfe der Art hockingsi (Bees )
Die stachellosen Bienen speichern den aromatischen Honig in kleinen Harzgefäßen. In den warmen Gebieten Australiens werden stachellose Bienen für eine kleine Produktion von Honig benutzt. In Queensland und dem nördlichen New South Wales produzieren diese Bienen mehr Honig als sie für den eigenen Bedarf brauchen. Einige Imker bedienen eine Marktnische mit Buschhonig und halten stachellose Bienen erfolgreich in Boxen.
Es wurden spezielle Verfahren entwickelt, um eine brauchbare Menge Honig von diesen Bienen gewinnen zu können. Wegen der Struktur der Bienenstöcke ist dieser Honig schwer zu gewinnen. Für die Honigproduktion müssen diese Bienen in speziellen Boxen gehalten werden, die diese Honiglager zugänglich machen, ohne die Neststruktur zu zerstören. Im Gegensatz zu den kommerziellen Honigbienen, die 75 Kilogramm Honig pro Jahr produzieren können, produzieren stachellose Bienen weniger als ein Kilogramm Honig pro Jahr. Dieser Honig hat einen charakteristischen Buschgeschmack, der sich durch Süße und Säure mit einem Hauch von Limone auszeichnet. Dieser Geschmack kommt von Pflanzenharzen, die von den Bienen zum Bau der Stöcke und Honigtöpfe benutzt wird, und variiert in Abhängigkeit von den besuchten Blumen und Bäumen.
Zur Bestäubung von Kulturpflanzen sind australische Farmer auf die Europäische Honigbiene angewiesen. Allerdings sind die einheimischen Bienen für manche Pflanzen die besseren Bestäuber.
Für die Ureinwohnern in Australien waren die sog. Zuckerbeutel (Ansammlung von kunstlosen "Wachszellenklumpen" der hausfliegengroßen einheimischen Trigona) wichtigste Zuckerquelle. Stachellose Bienen – Wikipedia
Nach neuesten Forschungen der Uni Wien kommunizieren die stachellosen Apidae und Meliponini in den Tropen nicht über Tänze, sondern über Duftmarken. Einige Arten sind Aasfresser, die das Fleisch toter Tiere in eine Art Honig umwandeln. www.b-lab.at/B-Lab-Publications/pdf-files/PopPress/2005_PM-WissensNews.pdf und Harzprojekt.jpg
Als Imker bin ich während unserer Reisen immer auf der Suche nach Bienen und einheimischem Honig. Zunächst heißt es allgemein, in Kambodscha würden keine Bienen in Kästen gehalten. Der Honig auf den Märkten stamme von Wildbienen, vorwiegend von der asiatischen Riesenbiene, deren Waben an Felsen und Bäumen hängen.

Waben von Riesenhonigbienen unter einem Wasserturm in Banlung
Im östlichen Bergland sehen wir dann in der Stadt Banlung viele Waben an einem Wasserturm. In Siem Reap und Phnom Penh sichten wir später mitten in der Stadt solche Riesenwaben an hohen Bäumen.
Der Honig auf den Märkten ist immer so verunreinigt, dass er vor dem Verkauf durch ein Tuch gesiebt wird. Das hängt damit zusammen, dass der Honig aus den Waben herausgequetscht wird und die Larven zum Verzehr verkauft werden. Vielfach stammt der Honig auch von den kleinen Nestern der asiatischen Honigbiene und den Minibienen der Trigona-Arten.

Wabe der Riesenhonigbiene an einem Rafter
Foto von D.R. Jump
Erst zuhause erfahre ich durchs Internet, dass 2003-2008 in der Nähe von Siem Reap ein erstes GTZ-Projekt zur Anleitung für traditionelle Honigsammler stattgefunden hat. In der deutschsprachigen Dokumentation des Münsterschen Zoos kann man lesen, dass die Bauern die Riesenhonigbiene durch Rafter (lange Stangen), die in einem Winkel von 30° aufgestellt werden, dazu bringen, ihre Waben in Bodennähe anzulegen, um sie besser abernten zu können. Diese Stangen werden dann Jahr für Jahr wieder besiedelt, wenn die Riesenhonigbienen zu Beginn der Trockenzeit aus dem Bergland ins Tiefland wandern. Ab März wírd der Honig geerntet. Nach drei Jahren werden die Stangen ausgewechselt.
Im Gebiet vom Tonle Sap See wird der Honig in der Regenzeit geerntet, weil dann die hohen Bäume in den überfluteten Gebieten erreichbar sind. Häufig werden die Bienen dabei durch ein Feuer vertrieben oder getötet. ACCB. Bienenzucht und Imkerei,
Im Bergland von Mondulkiri stellen Einheimische Geisterhäuschen auf mit geschnitzten Holz-"Honigwaben", um die Waldgeister zu veranlassen, ihnen möglichst viele Honigwaben zu schenken.

Geisterhäuschen mit "Honigwaben"
Bienen in Äthiopien
s. Reisebericht: Die schwarzen Völker Südäthiopiens 2004
Die Fahrt geht durch eine afrikanische Bilderbuchlandschaft: mit Gras gedeckte Rundhütten, nur vereinzelt viereckige Hütten mit Wellblechdächern, begleiten uns. Jetzt, kurz vor der kleinen Regenzeit, sind noch viele Hütten im Bau oder werden ausgebessert. Nachdem wir den Fluss überquert haben, wird die Landschaft immer grüner. Dort, wo noch ein kleiner Wald steht – meist wachsen dann unter den alten Bäumen Kaffeesträucher – sehen wir auch Paviane und Seidenhaaraffen.

Bienenröhren werden in Baumkronen aufgehängt.
Ein Charakteristikum sind die Bienenröhren in den Bäumen, die wir während der Reise immer wieder sehen werden. Zunächst schauen wir erstaunt auf die meterlangen Röhren, die manchmal zu 10 in den Astgabeln der Schirmakazien hängen. Wer hätte das gedacht: Bienenzucht auf afrikanisch. Die Bienenköniginnen werden mit langen Greifern aus dem Volk herausgeholt, um ein neues Volk zu gründen. Der Honig wird durch Abnehmen des Deckels, durch den die Bienen ein- und ausfliegen, und durch Herausschneiden der Waben geerntet. Das Ergebnis sehen wir auf einigen Märkten: einen Honig mit vielen Fremdstoffen, mit Wachs, Pollen, Maden und Bienenteilen.
Die Biene ist bei vielen äthiopischen Völkern neben Leopard und Schlange ein wichtiges Tier. Die Wahl des Thronfolgers erfolgte häufig mit Hilfe eines Bienenorakels oder wurde durch den Zuflug von Bienen bestätigt. Der Honigwein galt als Königsgetränk. Er wurde bei einem Fest des Königs für das Volk in einen sechs Meter langen Holztrog gegossen. Nur der König und seine Würdenträger tranken den Honigwein aus Hörnern. Könige und Häuptlinge reiben ihren Körper oft mit Honig ein. Nach dem Tod werden sie sogar in Bienenröhren bestattet, während Honig und Blut gegen den Himmel und gegen den Begräbnisplatz gesprengt wird. Wenn z.B. ein Angehöriger einer ranghöheren Kaste heiratet, dann bringt er den Brauteltern als Ehrengeschenke neben Blättern des Chat-Strauches und einem Bullen auch zwei Gefäße voll Honig und Butter mit. Wichtig ist es, den Ahnengeist des Clan-Führers, den Herrn der Leoparden, durch Honiggaben und Rinderopfer zu besänftigen, damit das Vieh des Clans vom Leoparden verschont wird.
Freude über ein Bienenvolk in einem Keramiktopf in den nördlichen Mandara-Bergen Kameruns

Mein Führer hat ein Bienenvolk in einem Tonkrug entdeckt.
s. Reisebericht: Von der Küste bis zum Tschadsee, 2007
Neue Bienenkastenform für Afrika


Die Oberträgerbeute (KTBH oder Kenyan Top-Bar-Hive, auch Backyard-hive - Hintergarten-Beute) wurde für die Entwicklungshilfe in Afrika entwickelt. Das zugrunde liegende System ist viel älter und geht auf den traditionellen Makedonischen Bienenkorb (Nordgriechenland) zurück. Die Wabenanordung und die Art der Aufstellung sind den ursprünglichen afrikanischen, liegenden Röhrenbeuten ähnlich. Die Vorteile liegen in der relativ einfachen Herstellung. Es gibt nur ein genau einzuhaltendes Maß, das die Breite der Oberträger beschreibt und den Abstand von Wabenmitte zu Wabenmitte parallel gebauter Waben angibt. Oberträger sind die oben lose aufgelegten Leisten. An einer mittigen Orientierung (Wachsstreifen oder Kante) bauen die Bienen ihre Waben nach unten. Die Waben können mit den Oberträgern frei angehoben, bewegt und entnommen werden. Weltweit gibt es gerade im Hobbybereich in Industrieländern einen Trend zu Top-Bar-Hives gerade zur Aufstellung im Hausgarten.

Bienen in Ghana

In diesem heiligen Bienenbaum befinden sich die Waben von einem Dutzend wilder Bienenvölker.
Ein besonderes Erlebnis in Nordghana bei Karimenga ist für uns ein "
Bienenschrein". Das ist ein kleines Gebiet mit einem großen Baobab-Baum, den sich gleichzeitig viele Bienenvölker als "Haus" ausgesucht haben. In früheren Zeiten fühlten sich die Bauern durch diese Bienen vor heranrückenden Feinden geschützt und verehrten sie als mächtige Bundesgenossen. Deshalb ist ein Bienenpriester für diesen "Schrein" zuständig. Auch bei unserem Besuch wird er herbeigerufen und spricht unter dem Baum seine Gebete und Bitten.
Danach erst dürfen wir in die Nähe des Bienenschreins. Isaac, unser Ewe-Führer, der große Angst vor Bienen hat, bleibt in größerer Entfernung stehen. Auch Ibrahim ist vorsichtig, weil er bei seiner letzten Begegnung mit den Bienen viele Bienenstiche hinnehmen musste, als er ihren Honig erntete.

Die Bienen holen süßen Saft aus der Aushöhlung einer Ölpalme, aus dem die Einwohner Alkohol herstellen. (Liati Woti, 2012)
Die Bienen der Rasse
apis mellifera adonsonii verteidigen sich stärker als die europäischen Rassen. Dazu erzählt uns Ibrahim folgende Fabel: Als ein Hahn und ein Elefant sich um die Gunst eines jungen Mädchens stritten, suchten sie Bundesgenossen für einen Kampf. Dabei scharte der Elefant alle vierbeinigen Lebewesen um sich und der Hahn alle fliegenden. Diese Auseinandersetzung gewann der Hahn, weil die Bienen so aggressiv an seiner Seite kämpften.


Ältere Formen von Bienenbeuten (Karimenga, 2012)
Die Ursache dafür, dass sich hier so viele Bienen angesiedelt haben, sind die vielen nektarspendenden Bäume in der Umgebung wie Shea-butter-, Neem- und Dawadawa - Bäume.
In der Nähe dieses heiligen Bienenbaumes hat Ibrahim in Zusammenarbeit mit kanadischen Imkern Kenia-Top-Bee-Hives aufgestellt, primitive Kisten, die Schwärme der wilden Bienen anlocken sollen.

Bienenkästen im Gebiet des "Bienenschreins" von Karimenga
Meist werden etwa vier Bienenkästen im Kreis aufgestellt, damit ein flugfreier Innenraum entsteht. Ein Kasten hängt schräg, da Ibrahim bei der Entnahme von Honigwaben Hals über Kopf vor den aggressiven Bienen geflohen ist.
Interessant sind die Versuche, Bienen als Abwehrmittel gegen Elefanten einzusetzen, um die Felder der Einwohner zu schützen. Die zu schützenden Felder werden mit Bienenkästen, die durch Seile miteinander verbunden sind, abgeriegelt oder es werden Kästen an Baumzweige gehängt, so dass die Elefanten daran stoßen. Da Elefanten auf Bienenstiche sehr empfindlich reagieren, ändern sie ihre gewohnten Wege, um einer Gefährdung durch Bienen aus dem Weg zu gehen.
Beekeeping in Ghana (Part 1) American Bee Journal May 2003 Beekeeping in Ghana (Part 2) American Bee Journal June 2003
Youtube-Video: african bees-- hive transfer in Ghana (1 of 2)
Bienenhaltung in Mexiko
s. Reise in die schauerliche Vergangenheit der Mayas
und die religiösen Nothelfer der Indios heute, 2000

Ab Muzen Cab, der "Honigsammler", war der Bienengott der Maya, der die Welt erschaffen hat. Im Maya ist das Wort für Welt und Honig dasselbe. Der Bienengott war auch der Schutzherr des Honigs der stachellosen Bienen und des daraus bereiteten Mets (Balche`). Maya Indianer in Mexiko betreiben traditionelle Imkerei mit der stachellosen Biene in modernen Holzbeuten (Kästen). Der Honig wird geerntet, indem man die Honigtöpfe ansticht und den Honig auslaufen lässt.

Beute für stachellose Bienen, wie sie in Mexiko verwendet wird.
Bienen in Ägypten
Vor 6000 Jahren hielt man Bienen in Röhren. Noch heute findet man diese Art der Bienenhaltung in Nordafrika an. Diese Röhren wurden aus Ton, Stroh oder Rinde der Korkeiche geformt.Ein altägyptischer Bienenstand besteht aus übereinander gelegten Tonkrügen. Ein moderner Bienenstand sieht nicht viel anders aus. Allerdings besteht er aus längeren Tonröhren. Im alten Ägypten wurden die Röhren während der Trachtzeit auf Kähne gestapelt und man wanderte so über den Nil verschiedene Trachten an.
Ägypten hat zwei Haupttrachten - im Juni Klee und in August-September Baumwolle - und eine sekundäre Tracht - Zitrusfrüchte im April. 70% der modernen und 40% der traditionellen Beuten stehen im Nildelta und sichern ungefähr 60% der gesamten Honigmenge. Die restlichen 40% werden in Oberägypten erhalten. Die ägyptische Bienenrasse ist gegen Varroa und andere Milben widerstandsfähig. 250 Bienenvölker in modernen Beuten und Kenya top-bar-Beuten wurden zur Züchtung und Verbreitung dieser Rasse in die isolierte Oase Siwa gebracht.Um das Einkommen der Dorfbevölkerung zu steigern, hat die Koptische Organisation für Sozialleistungen in den Provinzen El-Minia und Assiut Tausende von modernen Beuten ausgeteilt.