Gedanken zur Ethik in der Imkerei
( s. Naturethik – Wikipedia)

 

Wenn ich den Begriff Ethik im Zusammenhang mit Imkerei überdenke, dann tauchen Themen wie natürlicher und wesensgemäßer Umgang mit Bienen auf, industrielle Massentierhaltung, ökonomischer Nutzwert bzw. die Minderwertigkeit von Tieren, Menschen als absolute Herrscher über die Natur, Ausbeutung von Tieren bis zur Vernichtung, Veränderung und schrankenlos-rücksichtslose Bereitstellung der Natur für den Menschen, Wert und Erhaltung des Natürlichen.

Welchen ethischen Status wollen wir Tieren und jeglicher Natur zubilligen? Wann ist Natur schützenswert? Gibt es ein Minimum an Schutz für das Natürliche außerhalb des Nutzwertes für den Menschen? Schützen unsere Gesetze die Bienen und ihre Lebensbedingungen ausreichend? Haben die Tiere ein Recht auf Leben? Könnten wir uns auf Grundrechte von Tieren verständigen, wenn nicht global, so doch individuell, bis sich ein allgemeines Einverständnis im ethisch-moralischen Umgang mit Tieren einstellt?

Unsere Moral ist zuerst eine für die menschliche Gemeinschaft. Erst im zweiten Schritt stellt sich die Frage: Inwieweit müssen wir diese Regeln auf andere Wesen übertragen, weil sie uns ähneln? Deshalb diskutieren wir intensiv, was wir uns gegenüber Affen herausnehmen dürfen. Stefan Kleins Wissenschaftsgespräche: "Die Biene weiß, wer sie ist ...

Wesensgemäße Bienenhaltung
Natürliche, bienengerechte Imkerei

• Bioimker sollen an den Standort angepasste Bienenrassen wählen.
• Die Bienenstöcke sollen so aufgestellt werden, dass im Umkreis von 3 Kilometern Nektar- und Pollentrachten hauptsächlich aus ökologischen Kulturen- bzw. Wildpflanzen bestehen.
• Die Beuten sollen aus natürlichen Materialien (Holz, Stroh, Lehm) bestehen und das Wachs für die Mittelwandherstellung muss aus ökologischer Produktion kommen – vorzugsweise aus Eigenproduktion. Außerdem soll Naturwabenbau bevorzugt werden. Dabei wird den Bienen nur ein Anfangsstreifen aus Wachs vorgegeben, um die Richtung des Wabenbaus zu lenken. Dadurch produzieren die Bienen eigenes Wachs. Es darf einmal eingeschmolzen und zur Herstellung von neuen Mittelwänden genutzt werden.
• Während der Honiggewinnung dürfen keine Chemikalien verwendet werden. Waben, die Brut enthalten, dürfen nicht zur Honiggewinnung verwendet werden.
• Der Gebrauch von chemisch-synthetischen Mittel zum Beruhigen oder Vertreiben der Bienen ist unzulässig. Der Gebrauch von Rauch soll auf ein Minimum reduzieren werden. Dabei sollen nur natürliche Materialien (z.B. Holz oder getrocknete Pflanzenteile) zum Einsatz kommen.
• Die Flügel der Königinnen dürfen zur Schwarmverhinderung nicht beschnitten werden.
• Die Drohnenbrut darf nur teilweise zur Varroa-Milben-Bekämpfung entfernt werden.
• Zur Überwinterung muss Honig und Pollen in den Bienenstöcken vorhanden sein. 
• Keine Auflösung von Bienenvölkern am Jahresende.
• Keine Tötung von Königinnen nach 1-2 Jahren, um sie gegen junge leistungsfähigere Königinnen auszutauschen.
• Keine riskanten Wanderungen, bei denen Bienenverluste und tote Bienen zu erwarten sind.
• Keine Bildung von Bienenvölkern am Ende der Saison durch willkürliche Zusammenzusetzung neuer Völker aus den Einzelwaben verschiedener Bienenvölker.
• Keine Verhinderung von Schwärmen.
• Keine Entnahme einer Brutwabe mit Bienen von einem starken Bienenvolk zur Erstellung eines neuen Bienenvolkes zum Ausgleich für Verluste
• Keine Drohnenbrutentnahme und damit Vernichtung der männlichen Bienenbrut zur Reduzierung des Varroabefalls oder eine Vernichtung der kompletten Bienenbrut im Spätsommer zur Bekämpfung der Varroamilbe.
• Keine Verwendung des Absperrgitters.

s. "Demeter-Richtlinie zur Bienenhaltung und für Imkereierzeugnisse", s.a. Richtlinien der Bio-Verbände „Naturland“, „Bioland“ und „Biokreis“.

Gründe für eine naturgemäße Imkerei

Die positiven Auswirkungen des Schwärmens im Hinblick auf die Bekämpfung der Varroamilbe

Thomas D. Seeley: «Schwärme reduzieren die Varroa!»

«Diese Maßnahmen zur Verhinderung des Schwarmtriebes sind widernatürliche Eingriffe», erklärt der US-amerikanische Bienenforscher Thomas D. Seeley: «Wenn der Imker das Ausschwärmen verhindert, führt dies zu direkten Folgeschäden!» Die Schwarmverhinderung sei nur für die Imker gut, aber nicht für die Bienen. Bei seinen Experimenten habe er festgestellt, dass nach dem Schwarm die Varroamilben im Muttervolk markant reduziert sind. «Einer der Gründe ist sicher, dass mit dem Schwarm rund 60 Prozent der Arbeiterbienen das Muttervolk verlassen – und damit auch 60 Prozent der auf ihnen sitzenden Varroamilben.»

Aber auch im Schwarm wird die Zahl der Varroamilben markant reduziert, weil sich die Schwarmbienen auf 35 Grad Celsius aufwärmen, bevor sie losfliegen. Nur mit warmen Muskeln erreichen sie 250 Flügelschläge pro Sekunde, die den nötigen Auftrieb erzeugen. Möglicherweise lassen sich die wärmesensiblen Varroamilben in der Bienenbeute von den «aufgeheizten» Bienen fallen.

Seeley entdeckte noch einen anderen positiven Effekt: «Wenn der Schwarm ausgeflogen ist, muss im Muttervolk zuerst eine junge Königin schlüpfen und auf den Begattungsflug gehen. Bis diese Königin die ersten Brutwaben bestiftet hat, gibt es keine verdeckelte Brut, in welche die Varroamilben ihre Eier legen können. Auch dies reduziert die Varroa markant.»

«Wenn die Imker ihre Bienenvölker nur zehn bis zwanzig Meter auseinanderstellen würden, könnte die Varroa schon wirksam reduziert werden», erklärt Thomas D. Seeley.

«Wir haben zwei Gruppen von Bienenvölkern ohne Varroa-Behandlung beobachtet. In der ersten Gruppe stellten wir die Bienenbeuten nahe zusammen, in der zweiten Gruppen je zehn bis zwanzig Meter auseinander. In der dicht aufgestellten Gruppe starben die Völker weg, weil die nahen Nachbarn sofort mit Varroa infiziert wurde. In der locker aufgestellten Gruppe blieb die Varroa-Population unter der kritischen Grenze und die Völker überlebten.»

«Noch wirkungsvoller ist dieser einfache Trick, wenn die Bienenbeuten in verschiedene Flugrichtungen aufgestellt werden», erklärt Seeley. Bei den dicht aufgestellten Völkern landen nach jedem Flug 20 Prozent der Sammlerinnen in der falschen Bienenbeute. Am Abend sitzen 82 Prozent der Sammlerinnen im falschen Bienenstock – und bringen neue Varroamilben hinein. Wenn die Bienenbeuten locker aufgestellt werden und (!) in verschiedene Flugrichtungen ausgerichtet sind, gibt es nach Seeley nur vier Prozent Verflug. Das kommt schon recht nahe an wilde Bienenvölker, die mindestens 850 Meter Abstand voneinander haben und deshalb überhaupt keinen Verflug kennen.


Zu den Ursachen des massiven Insektensterbens

Die Hauptursache für das Sterben von Insekten (Schmetterlingen, Bienen u.a.) ist die industrielle Landwirtschaft mit den Giften (Neonicotinoide...), Herbiziden (Glyphosat...), der Überdüngung und der„pflegeleichten“, ausgeräumten, monotonen Agrar-Landschaft. Dabei ist auch die Fernwirkung der Gifte und Düngemittel in entfernte Naturschutzgebiete zu bedenken.

Zu weiteren Ursachen des Rückgangs zählen Biotopverluste bei Pflanzen aufgrund erhöhten Stickstoffgehalts im Boden. Aus zweimal gemähten artenreichen Wiesen wurden stark gedüngte, artenarme Produktionsflächen für Biogasanlagen und Hochleistungskühe. Als weitere mögliche Ursachen gelten Klimawandel, Flächenverbrauch durch Bebauung, der zunehmende Verkehr, Lichtverschmutzung und die massenhafte Tötung von Insekten an Lichtquellen.

Vor einem Jahr haben Wissenschaftler das Insektensterben in Deutschland erstmals nachgewiesen. Die sogenannte Krefelder-Studie, die im Oktober 2017 in der Fachzeitschrift "Plos One" erschien, belegte, dass die Masse der Insekten seit dem Jahr 1989 in 28 Jahren um durchschnittlich 76 Prozent zurückgegangen ist.

Die Werte der Natur

"Der Gipfel der Ignoranz ist ein Mensch, der von einer Pflanze oder einem Tier sagt: “Wozu soll das gut sein“? Wenn Fauna und Flora im Lauf der Äonen etwas geschaffen haben, das wir lieben, aber nicht verstehen, wer außer einem Narren würde Teile wegwerfen, die nutzlos scheinen? Jedes Rädchen und Schräubchen aufzubewahren, ist die wichtigste Voraussetzung für intelligentes Tüfteln."

Der US-amerikanische Naturschützer, Ökologe und Autor Aldo Leopold (1887-1948) forderte seine Zeitgenossen dazu auf, die philosophischen Grundlagen des Naturschutzes zu überdenken. Er lehnte es ab, die Werte der Nützlichkeit, der Ästhetik und der Ethik strikt voneinander zu trennen. Vielmehr sah er die Möglichkeit, diese Werte besser in Einklang zu bringen, geleitet von einer „Landethik“. Diese betont unsere gesellschaftliche und individuelle Verantwortung für die Gesundheit des Landes als einer Gemeinschaft von Böden, Gewässern, Pflanzen, Tieren und Menschen.

"Alle bisher entwickelten Ethiken gründen auf einer einzigen Prämisse: dass der Einzelne ein Mitglied einer Gemeinschaft in wechselseitiger Abhängigkeit verbundener Teile ist. Seine Instinkte veranlassen ihn, sich seinen Platz in der Gemeinschaft zu erstreiten, aber seine Ethik bewegt ihn auch zur Kooperation (vielleicht damit es überhaupt einen Platz gibt, um den gestritten werden kann). Die Landethik erweitert nun einfach die Grenzen der Gemeinschaft, so dass auch Böden, Gewässer, Pflanzen und Tiere – oder kollektiv: das Land – miteingeschlossen sind." (…)
„Eine Handlung ist richtig, wenn sie dazu beiträgt, die Integrität, Stabilität und Schönheit der Natur zu erhalten. Sie ist falsch, wenn sie das Gegenteil bewirkt.“
(A Sand County almanac, and Sketches here and there. New York 1949 (dt. Am Anfang war die Erde. Plädoyer zur Umwelt-Ethik. München 1992)

The Land Ethic war das Ergebnis eines Lebens, in "dessen Verlauf ich wegen der Unfähigkeit des Naturschutzs, dem Moloch Landmissbrauch Einhalt zu gebieten, Kummer, Zorn, Verwunderung und Bestürzung empfand."
(s. Aldo Leopold über die Werte der Natur, Meine)

Selig summend tönt's im Wald
Wo du bist ist mir nicht kalt
Himmel unterm Himmelszelt
Ich brauch keine ferne WELT
Dir zu folgen tut mir gut,
in dir brennt der Sonne Glut
.

Ralph Waldo Emerson (1803-1882)