Von früh bis spät

indische Straßen

 

Es ist früh am Morgen. Wir sitzen auf dem Rücksitz im Auto. Der Fahrer sitzt hinter seinem Steuerrad. Hinter uns im Fond hängen das feuchte Handtuch des Fahrers und seine kurze Schlafhose. Während der Fahrer den Motor startet, kurbeln wir die Fenster herunter und atmen frische Luft von draußen. Das Auto setzt sich in Bewegung. Auf der Straße dröhnt ein LKW vor uns her. Aus seinem Auspuff löst sich eine schwarze Wolke. Wir halten den Atem an und kurbeln schnell die Fenster wieder hoch.

 

Es ist spät am Morgen. Der Fahrer öffnet die Seitentür und speit einen roten Saft auf die Straße. Die Kinder springen zu Seite. Eine Kuh leckt sich mit langer Zunge über den Rücken. Im Font des Wagens hängen ein trockenes Handtuch und eine braune Hose. Während der Fahrer anhält, weil ein Bus vor dem Auto steht, trinken wir Wasser aus einer Flasche. Eine Frau klopft ans Autofenster, zeigt auf ihren Mund und auf ein Baby, das sie hoch hält. Der Fahrer hupt und fährt zwischen zwei Handkarren weiter. Wir drehen unsere Köpfe in eine andere Richtung.

 

Es ist zur Mittagszeit. Der Fahrer sagt: Ich muss etwas essen, mein Frühstück. Das Auto steht zwischen alten Autoreifen. Beim Essen der Mehlpuffer schiebt sich der Fahrer viele grüne Chilischoten in den Mund. Wir kaufen eine Packung gesalzene Biskuits. Der Mann hinter dem Gaskocher taucht kleine Gläser in einen Eimer mit grauem Wasser und reibt mit einem fleckigen Tuch über das Glas. Wir fassen sie mit den Fingerspitzen und schlürfen den Milchtee ohne das Glas zu berühren.

 

Es ist am frühen Nachmittag. Die Klimaanlage bläst feuchte Luft in den Wagen. Wir halten nur mühsam die Augen auf. Unser Fahrer stoppt. Die Figur des elefantenköpfigen Gottes pendelt wild am Rückspiegel. Vor uns steht ein Bus ohne Vorderräder. Unter dem Bus liegt ein Mann mit einer großen Stange. Wir umfahren die Felsstücke auf der Straße und schaukeln durch die Löcher in der Piste. Einige Frauen tragen Körbe mit Steinen zu den Löchern, während andere mit einem Handbesen den Sand herauskehren. Wir schütteln den Kopf und sinken in einen kurzen Schlaf.

 

Es ist am späten Nachmittag. Die Straße zeigt nur noch Löcher, breit und tief. Am Straßenrand liegt ein Hund mit dem Bauch nach oben. Es ist der fünfte Hund. Eine schwarze Krähe sitzt neben dem leblosen Körper. Unser Fahrer öffnet die Seitentür und speit einen roten Saft auf die rechte Straßenseite. Auf der linken Straßenseite drängen sich Schafe und Kühe. Ein Fahrradfahrer und Frauen mit großen Bündeln auf dem Kopf warten, bis wir vorbei gefahren sind. Wir drehen uns um und verfolgen sie mit unseren Blicken. Im Fond hängen das graue Handtuch und die braune Unterhose.

 

Es ist am frühen Abend. Der Fahrer steuert das Auto langsam von einem Loch zum nächsten. Neben der Straße liegt ein LKW mit den Rädern nach oben. Wir essen kleine, gelbe Bananen, öffnen ein Fenster und werfen die Schalen hinaus. Am Straßenrand kommt uns eine lange Reihe von Kamelen entgegen. Auf ihrem Rücken schaukelt jeweils ein Bettgestell und Blechgeschirr. Auf dem Bettgestell sitzen Kinder und junge Lämmer. Wir halten an und machen Fotos. Die Kamele und die Frauen, die die Kamele führen, gehen ohne Pause weiter. Wir lächeln sie an und winken.

 

Es ist am späten Abend. Wir sehen keine Löcher in der Straße. Auch die Kühe und die Ochsenkarren sehen wir nicht. Der Fahrer fährt in Schlangenlinien. Ein anderes Auto fährt ebenfalls in Schlangenlinien auf uns zu. Wir halten die Luft an. Das Licht blendet, während wir langsam in ein Loch hineinrutschen. Als wir die Augen öffnen stehen wir vor einer grauen Wand. Wir holen tief Luft, öffnen die Autotüren und steigen aus. Unsere Unterkunft trägt den Namen Palasthotel.