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Reise zu den Gläubigen und ihren Göttern im Himalaya
Ich trete in Delhi aus dem Flughafengebäude und sehe nur mehr
durch Nebel die Menschen und das schäbige, betonierte Umfeld des
Ausgangs. Der Monsun steht über dem Kontinent. Ein neuer Blick
auf Indien. Hardwar, eine der vier heiligen Städte am Ganges Auf der Fahrt nach Hardwar begegnen wir Tausenden von Pilgern,
meist im Gänsemarsch hintereinander. Einer ruft "Shiva", "Bomm,
bomm, bomm" antwortet die Gruppe. Während die Autos laut hupend
und stinkend die Fahrbahn füllen, bewegen sich die orange-farbig
gekleideten Pilger, die an einer Stange Gefäße mit heiligem Gangeswasser
wie in einer bunt geschmückten Sänfte tragen, am Rande der Straße.
Die Kleidung besteht meist aus einem T-Shirt mit einem Bild von
Shiva und einer kurzen Hose. Alle Kleidungsstücke in orange wie
bei einem Fußballspiel der Holländer. Am Straßenrand Gestelle
für das heilige Wasser, denn es darf den Boden nicht berühren.
Inzwischen regnet es, gießt, hört auf, der Strom der Pilger reißt
nicht ab. Sie fahren oder gehen hin zur heiligen ctadt Hardwar.
Zurück pilgern sie zu Fuß und tragen das Wasser in ihre Heimatdörfer.
Es ist das Fest Shavans, eine Shivageschichte...
Am nächsten Morgen nähern wir uns erneut Hardwar. Der Basar quillt über von Devotionalien, mehr als ich jemals gesehen habe. Aber ähnlich wird es in Lourdes aussehen. Ganeshas und Nandis in allen Materialien. In Karnataka musste ich noch suchen, um 20 Stück für meine Schüler zusammenzubekommen. Religiöse Motive werden mit Siebdruck am Straßenrand direkt aufs Unterhemd aufgebracht. Die Künstler sitzen auf dem Boden am Wegrand. Am Flussufer Zeltstädte, Schlamm und Abfall. Erinnerung an Kathmandu in Nepal. Nirgendwo sahen wir so viele Bettler wie in Hardwar. In einer langen Reihe sitzen sie am Straßenrand. Vor sich die glänzenden Metallschalen und töpfe. Immer wieder, die Hände verstümmelt, die Leprastummel vor dem Gesicht, durch den weißen Verband dringt Blut. Dann die Mütter mit den kleinen Kindern auf dem Arm, schlafend am Fußweg zum Laxmitempel. Geöffnete Hände von Kindern. Einmal singt ein verkrüppeltes Kind, das sich langsam über die Straße schiebt, von Shiva und Laxmi. Manchmal die geöffnete Hand eines Saddhu. Sie ermöglichen gute Taten, machen uns aber nur ein schlechtes Gewissen - zu viele, denen wir nicht helfen.
Auf der schmalen Brücke nähert sich uns ein Moped. Der Fahrer,
weiß gepudert mit Asche, weiß gekleidet, auf der Stirn das Zeichen
der Shivaanhänger: die drei waagerechten Striche auf der roten
Stirn, die auf die Dreiäugigkeit Shivas hinweisen, auf die Polaritätenvereinigung
und den zerstörerischen Feueraspekt. Ein Saddhu fährt mit einem
Moped zu seinem Arbeits- bzw. Betplatz unter dem heiligen Baum
am Wasser. Rishikesh, die Stadt der heiligen Männer, der "Rishis" , auch die Beatles suchten hier die spirituelle Erfahrung des Göttlichen. Als ich erwache und auf den Ganges und die Berge blicken will,
liegt eine Nebelwand vor mir, schwebt auf dem Fluss, teilt die
Berge, verdeckt die Spitzen. Der Blick ist verstellt.
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