Oman
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33 Seiten mit 56 Fotos)

Symbole Omans: Sonne, Felsen, Palmen, mittelalterliches Fort, Flugzeug und Sand.


Dünen und Salzsee in der Rub al-Khali

Videografien von Matthias Neuenhofer

Mein Reisebegleiter, der Videokünstler Matthias, hat Videomaterial aus dem Oman zu sehr interessanten Videografien verarbeitet, bei denen die aufleuchtenden und in verschiedene Richtungen wachsenden Bilder von den Originalgeräuschen gesteuert werden.

Oman Videografien

QuickTime und Flash Player erforderlich

Themen der Videos: Jabrin (Touristen-außen/innen), Hashman (Wüste-rot), Samhuran (Ausgrabungen-zurück), Djabal Samhan (Hochebene-fliegen), Djabal Bani Djabr (Grabturm-Zelt), Putzer (Muskat-blau)

Karte des Oman
GPS-Spur unserer Tour

Notizen zu einer Reise durch das Wunderland Oman im Februar 2007

Das arabische Märchen vom Unmöglichen, das möglich wurde.

Nach mehrfachen Besuchen des Nachbarlandes Jemen war ich gespannt auf den Oman. Um es gleich vorweg zu sagen, beide Länder sind kaum zu vergleichen. Die Menschen, die Landschaften, die Architektur, die Musik- und Tanzkultur - alles, was mich im Jemen so fasziniert hat, finde ich nicht im Oman. Der Oman entwickelt sich erst seit kurzer Zeit aus seinem unfruchtbaren Stein- und Sandboden. Man sieht geradezu, wie amerikanische und europäische Zivilisationsstängel aus dem Boden sprießen und wachsen und wachsen zu einem Märchenwald, den nur das sprudelnde Ölgeld ermöglicht. Es ist ein Land entstanden, das dabei ist, sich den Anstrich eines großen Industrielandes zu geben und die Anstreicher sind noch nicht fertig mit ihrer Arbeit, die farblose Landschaft in ein grünes Paradies zu verwandeln.

Mit Hilfe von unzähligen fremden Arbeitern versuchen 2,9 Mill. Omanis seit etwa 30 Jahren unter der autoritären Führung ihres Sultans das Land in eine fremde europäische Gegenwart zu beamen. Aber der Oman ist zu groß, die Natur zu lebensfeindlich, um ihn in ein europäisch-amerikanisches Land zu verwandeln. Die Brüche zwischen ursprünglicher Natur und ihrer gewaltsamen Veränderung zeigen sich auf unserer Reise immer wieder durch fast unwirkliche Landschaftsbilder, die einerseits durch die Natur entstanden sind, andererseits durch die zivilisatorischen Bemühungen der Menschen. Fantastische geologische Gesteinsformationen und märchenhafte Sanddünen stehen neben dauerberieselten Blumengärten und menschenleeren Gebäuden wie in einem Bild des amerikanischen Malers Hopper.

Wir haben staunend ein arabisches Märchen vom Unmöglichen erlebt, das möglich wurde in einem Land mit urzeitlichen Gebirgen und lebensfeindlichen Wüsten.

Wie immer setze ich mich mit dem Gesehenen und Erlebten sehr kritisch auseinander, was aber nicht heißt, dass die Reise auf Grund der Erwartungen enttäuschend war.

Bei der Reisebeschreibung kommen die menschlichen Erlebnisse in der Reisegruppe etwas zu kurz, weil sie in ihrer Dramatik und Farbigkeit sich eher für Schilderungen in einem Roman eignen.

Das Wunderbare zeigt sich natürlich noch mehr in den viel reicheren, aber viel kleineren, vereinigten sieben Emiraten. Bereits im Flugzeug der "Emirates" mutet das Angebot von 400 Filmen in vielen asiatischen Sprachen recht unwirklich an. Filme werden in mehreren chinesischen, indischen, javanischen Sondersprachen angeboten. Wie provinziell erscheint da das Unterhaltungsangebot westlicher Airlines. Ich erinnere mich an die Eindrücke nach einer früheren Reise durch China. Wie eng und klein kam mir Europa nach dem Besuch der vielen Millionenstädte mit ihrer futuristischen Architektur, mit ihrem Konsumangebot vor, das dem deutscher Großstädte in nichts nachstand. Wie dörflich kamen mir Frankfurt und Köln nach der Rückkehr aus China vor. Nun ist der Oman nicht China mit seiner Milliarde Menschen, die zum großen Teil noch in großer Armut leben.

Die Emiratis und Omanis dagegen scheinen alle in Geld zu schwimmen. Sie besitzen den Märchenesel Öl, der scheinbar ohne Ende das Geld sprudeln lässt, mit dem alles möglich ist, auch die Verwandlung von Sand in Gold.


Im alten Hafen von Dubai

1./2. Tag. Das Emirat Dubai

Den Zielflughafen Dubai erreicht unsere siebenköpfige Reisegruppe wegen Überfüllung erst nach einer Zwischenlandung in Abu Dhabi mit 3 Stunden Verspätung.

Dubai ist ein riesiger Souk. Am Kai liegen unter Plastikbahnen Unmengen von Waren, besonders Waschmaschinen und Kühlschränke, die per Dhau oder LKW weiter transportiert werden. Nach Aussage unseres Guides handelt es sich um Schmuggelware.Auf der anderen Straßenseite stehen die beeindruckenden Prunkpaläste der Banken, der Hotels und der Regierung. War 1975 Dubais Wirtschaft noch zu 54% vom Öl abhängig, so sind es heute (2007) nur 3%.

"Dubai ist der wilde Westen." "In Dubai ist alles möglich." "Wenn Terroristen und Gangster einen Platz zum Treffen, Erholen oder Investieren brauchen, gehen sie nach Dubai." (U.S. News & World Report)


Auf dem Sand von Dubai wächst eine neue Welt, die gesteuert wird von einem ungebremsten Kapitalismus voller Gier nach Geld und Superlativen. Es entsteht u.a. mit 800 m das höchste Gebäude der Welt, Dubailand mit 50 Themenparks und 31 Hotels incl. Asia-Hotel mit 6500 Betten und der erste Öko-Wolkenkratzer.

Gegen 13 Uhr fährt unsere 7 köpfige Gruppe in zwei Luxustoyotas auf mehrspurigen Straßen, zunächst im Stau nur langsam, durch die Küstenregion in östliche Richtung durch das Emirat Sharja. Seitwärts der Straße werden überall im Sand der Küstenregion Häuser gebaut, für die Einheimischen Villen im Grünen, für die Gastarbeiter, etwa 80% der Bevölkerung, vielstöckige Plattenbauten. Im Oktober 2007 streikten 4000 der 700 000 Arbeiter Dubais für einen gerechten Lohn und wurden dafür verhaftet. (SDZ vom 14.12.2007)

Bei Sonnenuntergang, 18 Uhr, haben wir nach 300 km Fahrt, vorbei an farblosen Kalkfelsen und Sandgeröll, unseren ersten Zeltplatz in einem Akazienwäldchen auf der Halbinsel Musandam erreicht. Im Schein zweier Petroleumleuchten bereiten wir Möhren, Gurken, Paprika, Zwiebeln u.ä. für eine dicke, stark gewürzte Nudelsuppe vor. Thorsten, unser Guide und einer der beiden Fahrer, wird sich später als ausgezeichneter Koch entpuppen. Gegen 21 Uhr liegt unsere Reisegruppe in den Zelten.


Zeltplatz auf den Resten eines verlassenen Dorfes (Halbinsel Musandam).
Matthias nach einer regenreichen Nacht.

3. Tag. Die omanische Halbinsel Musandam (arab. "Amboß", 30 000 Einwohner)

Ich werde erst kurz nach 7 Uhr wach, als alle schon frühstücken: Fladenbrote aus dem Supermarkt, australischer Honig, Nescafe, dänische Käseecken, indische Marmelade. Die Zelte sind nass vom Tau. Die Luft ist sehr angenehm. Es geht ein leichter Wind. Ziegen tauchen auf. Gegen 10 Uhr sind die Zelte abgebaut und alle Taschen auf dem Autodach und hinter den Sitzen verstaut.

Wir fahren weiter durch die grauen Gebirge (geschichtete, stark aufgefaltete Kalksteine bis 2087 m) der Halbinsel Musandam, die zum Oman gehören, obwohl sie durch Territorien der Emirate vom Hauptgebiet abgetrennt sind.

Erst 1999, während eines Besuchs des omanischen Sultans Quabus Ibn Said in Abu Dhabi werden die Differenzen über den nach wie vor strittigen Grenzverlauf zwischen Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten vorläufig beigelegt. Die Gebiete der souveränen Staaten VAE (Vereinigte Arabische Emirate), Katar und Bahrain gehörten 1741 mit Sansibar und ostafrikanischen Festlandgebieten zum Herrschaftsgebiet des Sultans von Oman.


Jenseits der Meerenge von Hormuz befindet sich Iran.

Der Blick über die Straße von Hormuz zum Iran hinüber zeigt nur eine weite Wasserfläche, die im Dunst verschwindet. Mit der Zeit aber wird die Halbinsel mit der arabischen Erdplatte immer näher zur eurasischen Platte hinwandern, so dass die Straße von Hormuz immer schmaler werden wird.

Die Tradition bzw. die Geschichte des Landes zeigt sich in den fast menschenleeren Landschaften nur sehr spärlich in den restaurierten Forts. In einem Seitental suchen wir nach 2000 Jahre alten Steinzeichnungen, die uns schließlich eine freundliche, maskierte Frau zeigt. Auf vier größeren Steinblöcken, Teile einer eingestürzten Höhle, im Dorf Tawi finden sich Menschenfiguren (Reiter, Krieger), Tierfiguren (Kamele, Steinböcke...) und seltsame Fantasiegestalten (Tiere mit sechs Beinen, die auf dem Rücken ein Kreuz tragen oder ein explodierendes Ding, das einen Kometenstreif zeigt).


Jahrtausende alte Steinzeichnungen

Leider ist die Straße durch die Halbinsel gesperrt, so dass wir wieder zurück an der Küste entlang durch die Emirate fahren müssen. Obwohl an den jeweiligen Grenzen nur wenige Autos halten, bekommen wir die fortgeschrittene Kunst der Personenkontrolle voll zu spüren. Alle Daten werden jeweils in einen PC eingetippt, die Pässe abgeglichen, ja, unsere Augen werden aufwendig, noch sehr ungeübt, in den PC eingescannt. Allein die Scan-Aktion dauert eine volle Stunde. Im Prospekt unserer Reiseagentur heißt es: "Die Formalitäten an den Grenzen sollten nicht viel Zeit in Anspruch nehmen... Grenzformalitäten entfallen."

Unseren zweiten Zeltplatz finden wir auf lehmigen Felsterrassen im Gebirge von Musandam, 1000 m hoch, unterhalb einiger Ruinen eines alten Dorfes aus der Zeit vor dem Ölreichtum.

In der Nacht setzt leichter Regen ein, Wasser läuft die Terrassen herunter, Regen tropft durch die morschen Nähte der Zelte.

4. Tag. Die Emirate Ras al-Khaimah, Sharja und Fujayrah, erneute Einreise in Oman

Nach der "Reparatur" der steilen Piste (wir füllen ausgespülte Fahrspuren auf und räumen Steine zur Seite) erreichen wir nach dem Frühstück wieder die unbefestigte, glitschige Hauptpiste, die später immer breiter wird. Hier begegnen wir einer Kolonne von 30 Allradfahrzeugen mit indischen Touristen. Unser Ziel, den "endlos scheinenden Sandstrand" südlich von Dibba, erreichen wir gegen 17 Uhr. Aber der Strand ist so voller Menschen, dass wir einige Kilometer ins Landesinnere ausweichen und schließlich eine unwirtliche, steinige Fläche mit einigen Dornbüschen finden, über die ein kalter Wind fegt, der Staub und Steine aufwirbelt. Mit Akazienholz entfachen wir ein Lagerfeuer, um unsere Thunfische, die wir in Dibba gekauft haben, zu schmoren.

In dieser Nacht schlafe ich wegen des harten, buckligen Bodens und dem Lärm der nahen Autobahn noch schlechter, als in der Regennacht zuvor.


Das alte Sohar zeigt wie alle Städte Omans eine perfekte Infrastruktur.

5. Tag. Sohar, heiße Quellen, Schluchten des Hadjar al Gharbi

Durch die Küstenebene, die etwa 25-30 km breit ist, geht es über Superautobahnen, z.T. mit Beleuchtung und farbigen Blumenbeeten, zu den "neuen" Städten, den neuen Häfen mit Boulevard und Bänken und den eindrucksvollen alten, aber "auf neu" restaurierten Küstenforts. Die Tankstellenshops und vor allem die riesigen LU-LU-Supermärkte bieten alle westlichen und asiatischen Konsumartikel an. Hier finde ich regelmäßig den Trinkjoghurt Laban und die anderen Cola und Sprite. An touristischen Orten, den heißen Quellen, grünen Wadis und Höhlen, treffen wir immer auf eine Vielzahl von einheimischen und meist asiatischen Touristen. (Sohar-Fort, heiße Quelle von Rustaq, Fort al-Hayzm)

Neben dem rasanten Umbau des Landes mit Hilfe modernster Maschinen erleben wir abseits der Straßen die eigentliche Qualität des Oman, seine vielfältige geologische Beschaffenheit. Auch an diesem Tag fahren wir durch schwarze Berge und Schluchten mit starken Auffaltungen der Felsen.


Fast unbewohnbares Felsmassiv

An den Felswänden einer Schlucht finden wir wieder Zeichnungen aus alter und neuer Zeit als Zeugen einer uralten Besiedlung des Landes..

Unser Übernachtungsplatz liegt völlig abseits in einem menschenleeren Gebiet mit faserigem Schieferboden und farbigen Steinen. Die farbigen Lacküberzüge auf den Steinen in Schwarz, Braun, Rot oder Gelb sind durch Mineralien entstanden, die durch Nachttau gelöst wurden.

Von hier aus haben wir einen Blick auf den 2900 m hohen Jebel Shams und andere 2000er, deren Grau-Schattierungen sie als Kalkgestein (Schelf-Karbonate) erkennen lassen.

Aus dem Leben in Oman

Während wir das Abendessen vorbereiten, erzählt unser einheimischer Fahrer Abdullah vom arbeitsreichen Leben seines Vaters. Schon als Jugendlicher habe er im afrikanischen Sansibar gearbeitet, das lange Zeit ein Teil des Oman war, später in Kuweit. Als Familienvater holte er dann täglich von der Küste 30 - 60 km über die Berge mit einem Esel Fische für sein Dorf. So ermöglichte er allen seinen Kindern ein Studium und einen guten Job.

Ein anderes, weniger glückliches Schicksal berichtet er von einem Freund, der einen Sansibar-Pass besitzt und deshalb keine Arbeit findet, obwohl er seit 28 Jahren im Oman lebt und die Schule besucht hat. Er gilt als Ausländer und Ausländer bekommen immer nur ein befristetes Wohnrecht und eine befristete Aufenthaltsgenehmigung.

Die flache, ostafrikanische Insel Sansibar (arab. zandj-bar / des schwarzen Mannes Küste) gehörte vom 17. - 19. Jh. zum Oman. Bereits 657 nach der ersten Spaltung des Islam, wird der Oman zum Rückzugsgebiet der radikalen charidjitischen Sekte der Ibaditen, worauf ein Teil der angestammten Bevölkerung des Oman nach Sansibar und der ostafrikanischen Küste auswandert.

1832 verlegt der Sultan von Oman sogar seinen Hof nach Sansibar. Dadurch steigt die Einwohnerzahl auf 5000 (heute 1 Mill.). Die arabischen Händler werden reich durch den Sklavenhandel. In einem Jahr werden bis zu 10 000 Sklaven hier weiterverkauft. Der Anteil der Sklaven wird auf 75 % der Einwohner geschätzt. Eine weitere Quelle des Reichtums sind die Gewürze: es werden Gewürznelken (ab 1832), Muskatnuss und Zimt angebaut, so dass Sansibar den Beinamen "duftende Nelkeninsel" erhält. Nach der Unabhängigkeit vom britischen Kolonialreich kommt es 1964 zu einem Massaker der schwarzen Bevölkerung an der arabischen Herrschaftsschicht, und Sansibar vereinigt sich mit dem Festlandstaat zu Tan-sania (Tanganijka und Sansibar). Verkehrssprache bleibt die Mischsprache Suaheli (afrikanische Bantu-Sprache mit großem Anteil arabischer Wörter, arab. sahil/Küste).

Eine weitere große Gruppe von Einwohnern stellten die Hausangestellten dar, erklärt Abdullah weiter. Sie stammten aus Indien, den Philippinen, Malaysia und Indonesien und blieben nur einige Jahre im Land. Die Inder würden 8-12 Jahre, die Philippiner 3-4 Jahre bleiben. Ihre Bezahlung liege bei 80-100 Euro. Die Inder seien die freundlichsten Menschen. Zu ihnen beständen traditionell besonders gute Handelsbeziehungen.

2001 ordnet Sultan Quabus Ibn Said die Verhaftung mehrerer hundert illegaler Einwanderer an. Vorausgegangen war die Aufforderung an alle ohne Aufenthaltsgenehmigung in Oman lebenden Ausländer, ihren Status legalisieren zu lassen oder das Land zu verlassen.

6.Tag. Imkerei, Schlucht des Wadi Sahtan, Kalksteinhöhle Hoti, Djabal Shams

Die fünf Schwaben unserer Gruppe sind schon sehr früh auf und wecken durch ihr Geschwabbel auch den Rest der Gruppe. Da Thorsten starkes Fieber hat, fährt jemand aus der Gruppe seinen Toyota. Einen Arztbesuch lehnt er ab, da er nicht krankenversichert sei.


Hunderte von Bienenröhren in einem steinigen, unfruchtbaren Gebiet

Das erste Ziel heute ist ein Imker, der neben seinem Haus in einem ummauerten Areal hunderte von Bienenröhren aus Palmstämmen liegen hat. Da erst in einigen Monaten zur Akazienblüte Nektar zu erwarten ist, hat er keinen Honig zu verkaufen. Die Bienen tragen z. Zt. nur Pollen ein. Wahrscheinlich wäre der Honig uns viel zu teuer, da er wie in arabischen Ländern üblich als Medizin angesehen wird und pro Pfund für 20 € verkauft wird und nicht wie unser deutscher Honig für 3.50 €.

Bienen und Imkerei im Oman

Im Oman gibt es, anders als in europäischen Ländern, zwei Arten von Honigbienen. Die große östliche Biene und die Zwerghonigbiene (Apis florea). Das sind zwei der acht in Asien vorkommenden Arten aus der Gattung der Honigbienen (Apis). Das Verbreitungsgebiet der Zwergbiene reicht von Oman bis zu den indonesischen Inseln. In den achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurden Zwerghonigbienen in den Sudan eingeführt, in den frühen neunziger Jahren wurden sie auch im Irak nachgewiesen. Auf meiner Reise durch Südäthiopien schilderten die Einheimischen uns bereits das Vorkommen der wilden kleinen Bienen.

Die Zwergbienen lassen sich nicht in Beuten halten. Sie bauen ihr Nest, nur eine etwa handtellergroße Wabe, im Freien an einem Zweig an. Am oberen Ende des Nestes befindet sich eine waagerechte Plattform , die für den bienentypischen Schwänzeltanz genutzt wird. Trotzdem können sie bis zu 20.000 Individuen umfassen. Die Brut- und Honigkammern lassen sich gut voneinander trennen. Das untere Stück der Wabe mit den Brutzellen wird abgeschnitten, zwischen zwei Tragestöcke gespannt und später an einem schattigen Ort aufgehängt. Im Gegensatz zu den großen Bienen haben die Zwerghonigbienen nur kurze Stacheln, die die menschliche Haut nicht durchstechen können.

Die kleine Biene lebt im Dhofar, wo traditionell keine Bienen in Beuten gehalten wurden, sondern nur der Honig von wilden kleinen Bienen gesammelt wurde. Der Nektar stammt meist von den sidra- und semra-Bäumen. Die Honigsammler beobachten, wie die Bienen in Wasserstellen und Feldkanälen Wasser holen und folgen ihnen zum Nest in einer Felsnische oder an einem Strauchast.

Dagegen werden im nördlichen Oman in den Dörfern und Wadis des Jabal Akhdhar bei Rustaq in hohlen Palmstämmen die großen Bienen gehalten. Die Honigwaben befinden sich am hinteren Ende der Röhre und können jeweils herausgeschnitten werden. In den Oasen bestäuben die Bienen vor allem die Kokospalmen, die Mangobäume, Zitronen, Alfalfa und Wassermelonen.

Weitere Tagesziele sind die Schlangenschlucht, das omanische Colorado, und die Tropfsteinhöhle al-Hota (5 km) mit einem palastähnlichen Eingang (11 € Eintritt): für die Omanis etwas Besonderes, nicht für europäische Touris; auch die einzige Schienenbahn des Oman, nur 300 m Schiene vor dem Höhleneingang, die zudem gerade repariert wurde, ist eher ein aufgepoptes Touristen-Kuriosum. Seht, nicht nur in Europa gibt es eine Schienenbahn, auch wir haben so etwas.


Zeltplatz in 1000 m Höhe auf der Hochebene des Djabal Shams

Aus den Spalten der Felsplatten zwängen sich uralte Olivenbäume (?). Diese grauen Kalkplatten sind Versteinerungen von Meeressedimenten, die in mehreren hundert Metern Tiefe abgelagert wurden.

Für den kranken Thorsten, der sonst immer in seinem Schlafsack unter freiem Himmel schläft, bauen wir ein Zelt auf. Nachts sehr kalt und windig.

7. Tag. Die Bewässerungsanlagen in Misfah, Palast von Jabrin, die Lehmstädte der Dakhiliyah (Stadtruinen von Tanuf und Nizwa

Zwei Frauen bereiten unter Protest das Frühstück, legen die Sitzmatten aus, erhitzen das Wasser und suchen in der Lebensmittelkiste nach Tee, Zucker, Müsli und Brotaufstrich, Käseecken und Dattelmus, was schwierig ist, weil die Gefäße nicht beschriftet sind. Inge, die sich nie mit Kritik zurückhält, meint, sie sei wohl im falschen Film und thematisiert den unterschiedlichen Arbeitseinsatz der Teilnehmer und die fehlende Planung. Der kranke Guide findet sich erst etwas später ein, noch später kommt, wie immer, unser omanischer Fahrer.

Vier kleine Mädchen bieten aus Wolle hergestellte Schlüsselanhänger und kleine Teppiche an. Ein Junge sorgt dafür, dass die Preise nicht zu niedrig angegeben werden. Ein Anhänger für einen omanischen Rial.

Unserem Guide geht es inzwischen wieder besser. Während er und Abdullah das Auto beladen, wandern wir bereits voraus, wie wir es fast jeden Morgen machen. Mit einem Auto gibt es Schwierigkeiten, weil die hintere Türklappe nicht richtig schließt.


In Misfah

Im Bergdorf Misfah sind bereits viele einheimische Touristen anwesend, die fotografieren, obwohl im Reiseprospekt davon abgeraten wird und der Wali (Vorsteher) ein Fotografierverbot verhängt hat. Hier können wir die uralten Bewässerungskanäle sehen, die falaj-Systeme, ein Netz von Gräben, in denen das Quell- und Grundwasser, oft an steilen Wänden der Wadis entlang, in die Siedlungen und Gärten geleitet wird.

Der Palast von Jabrin, wie alle Forts auf neu restauriert, zeigt sich im Innern recht unergiebig, da alle Forts ähnlich im Innern aussehen.

Die Hauptverbindungsstraßen sind perfekt gebaut, große Kreisel warten auf den Verkehr. Die steinige Ebene im Hinterland ist stark besiedelt. Viele prächtige Großhäuser für die Großfamilien entstehen. Abdullah weist darauf hin, dass jeder Omani von der Regierung ein Grundstück bekommt, wenn er sich auf eine Warteliste einträgt. Das Haus selbst koste etwa 60 000 €.

Wir besichtigen die Lehmruinen der ehemaligen Stadt Tanuf, die 1959 von den Engländern und dem Sultan im Jebel Akhdar-Krieg gegen den Iman zerstört wurde. Hier kann man sehen, wie das Wasser in drei Stockwerken aus dem Wadi heraus geleitet wird. Ein Kanal verläuft sogar unter den Ruinen her.

Am Abend können wir endlich wieder im Hotel in Nizwa duschen. Während es in Deutschland schneit, baden wir im Swimmingpool.


Die Oasenstadt Nizwa

8./9. Tag. Nizwa

Der Viehmarkt in Nizwa lockt viele Touristen an, die Fotos von den Tieren und den Menschen schießen. So ergibt sich hier die Möglichkeit, erstmals auch die maskierten Frauen im Foto festzuhalten. Zwischen den weiß gekleideten Männern leuchten manchmal gelbe Kleider und rote Kopftücher bestimmter Stämme. Die Frauen geben hier auf dem Markt oft den Ton an. Sie begutachten die langhaarigen und kraushaarigen Ziegen oder führen sie sogar vor und verhandeln wegen des Preises. Nur wenige Kühe stehen zum Verkauf.


Auf dem Viehmarkt von Nizwa

Nebenan befindet sich der neue, überdachte Souk. Im Fischsouk sieht es aus wie nach einem Massaker. Die blutigen Teile von großen Thunfischen liegen weit verstreut auf dem gekachelten Boden. Ein Fisch wird am Schwanz über dem Boden gezogen und hinterlässt eine blutige Spur. Am Rand liegen Köpfe, halbe Körper zur Reihe geordnet,Wirbelsäulen in einer großen Blutlache.

Im Nebengebäude hängen in abgeteilten Räumen die blutigen Leiber von gehäuteten Ziegen ohne Kopf, daneben warten in Käfigen Hunderte von weißen Küken auf den Tod.

In der Halle der Datteln warten viele Säcke mit Datteln auf Käufer. Ein Mann bietet uns aus einer Plastikschale eine Kostprobe von schwarzen, klebrigen Datteln. Sie schmecken fad, sind wohl eher als Viehfutter geeignet. Im Jemen hatten wir vergleichsweise sehr viel leckerere Datteln probiert.

In weiteren Hallen werden u.a. Tomaten, vor allem Weißkohl und braune, getrocknete Limonen angeboten, als Viehfutter Luzerne und Maispflanzen, im Gewürzteil u.a. Safran und Vanille, im Geschenksouk Halsketten mit Plaketten und Inschriften, Amulette, omanische Dolche mit der typischen, abgewinkelten Spitze (im Gegensatz zur runden, jemenitischen Dolchspitze) und die kleinen zarten Spazierstöcke, die im Oman als Zeichen der männlichen Würde getragen werden wie im Jemen die Dolche und das Gewehr.

Nach dem Besuch des 1993 verkitscht restaurierten Teils der Altstadt im Mittelmeerstil zieht uns besonders die noch nicht restaurierte Altstadt an, deren ruinöse Häuser mit den verwilderten Palmgärten noch voller Atmosphäre stecken. Hier sind die wenigen Bewohner besonders freundlich. Wir werden mit Handschlag begrüßt, während die Omanis sich zur Begrüßung gegenseitig mit den Nasenspitzen stupsen. Als wir zum Mittagessen ein Restaurant suchen, stellt sich heraus, dass alle Männer zum Freitagsgebet in die Moschee gegangen sind und die Esslokale geschlossen sind.

Befremdliche Kunstobjekte in den Geschäften: im Rahmen und hinter Glas steckt umgeben von Symbolen das Porträt des Sultans, eine Miniaturausgabe des omanischen Dolches in Silber, romantische Landschaften, zwei Störche oberhalb einer Erdspalte, landwirtschaftliche Geräte.

10.Tag. Rub al-Khali


Zeichen für wen?

Heute brechen wir gegen Westen auf. Auf einer guten, schnurgeraden Asphaltstraße jagen wir mit 150 Stundenkilometern ohne Mittagspause 650 km durch eine immer eintöniger werdende Landschaft an nickenden Ölpumpen, brennenden Gasfackeln, Strommasten, Baumaschinen und Neubauten vorbei.

Erst um 15 Uhr halten wir bei einer weitläufigen Shelltankstelle, wo einige Raben und Tauben die Einöde beleben. In der Geröllwüste sehen wir bis auf ein paar Kamele keine Tiere. Ab Haima verlassen wir die Hauptstraße in Richung saudi-arabischer Grenze. Auf der Piste können wir wegen der Schlaglöcher und des Sandes nur noch 80-100 Stundenkilometer fahren.


Tankstelle für wen?

Etwa 40 km vor der Grenze beginnen die hohen Sanddünen des leeren Viertels, der Rub al Khali, in denen wir einen Übernachtungsplatz suchen. Die reizvollen Sandformen und -farben der Dünen, der Wellenschliff, die "Walleiber" und die runden "Brüste" entschädigen uns für die endlose Fahrt über die endlose Straße unter einem tiefblauen Himmel durch das reizlose, eintönige Land.

Nachdem wir unsere Zelte in möglichst ebenen Mulden aufgebaut haben, gibt es Kaffee und Kuchen. Dann bleibt noch Zeit fürs Klettern über die Grate der Dünen. Die einsinkenden Füße hinterlassen Spuren wie von Kamelen. Die Windseite der Grate ist etwas fester. Auf der anderen Dünenseite stapfen die Füße tief durch den heißen Sand, der in Mengen aus den Sandalen rieselt. Einige sammeln auch das von der Sonne verbrannte Holz ehemaliger Bäume, die aus den Dünen herausragen, für das abendliche Lagerfeuer. Als die Sonne um 18.15 Uhr untergeht, hat jeder seine Düne erklettert, um ungestört die Sonnenscheibe im orangeroten Sandmeer versinken zu sehen.

Die Farbe des Sandes rührt von Sanden her, die ursprünglich unter dem Grundwasserspiegel lagen und dort durch Eisenoxide mit einer rotfarbigen Haut überzogen wurden. Durch den Wind wurden die Sande dann umgeschichtet. (nach I. Guba, Oman, Wunderland der Geologie, 2002)

11.Tag. Rub al-Khali

Eine kalte Nacht. Nach dem Frühstück und dem Abbau der Zelte müssen wir zunächst einen Wagen freischaufeln, der sich gestern im Fließsand festgefahren hat. Mit Schaufeln, Schieben und Abschleppen gelingt es. Zwischen abgestorbenen Baumstämmchen und größeren Dünen geht es zunächst weiter über eine Piste in die Nähe der saudi-arabischen Grenze.

Der niedrige Strauchbewuchs hört schließlich auf und wir fahren durch eine ebene, weiße Geröllfläche, dahinter leuchten weiß-gelbliche Sanddünen, die in langer S-Form seitwärts mit dem Wind wandern.

Heute werden wir von einem Grenzposten kontrolliert. Gestern sind wir unbemerkt an einem anderen vorbeigekommen. Saudi-Arabien und Oman haben erst am 31. März 2000 ein Abkommen unterzeichnet, das den genauen Verlauf von rund 400 Kilometern gemeinsamer Grenze festlegt. Nicht weit vom Grenzposten entfernt treffen wir auf eine kleine Oase, wo neben Blütenpflanzen Libellen und Schmetterlinge leben.

Gegen 15.30 Uhr suchen wir wieder einen Übernachtungsplatz zwischen den Dünen. In dieser Nacht ziehen wir die Überzelte über die Innenzelte, damit die Kälte etwas abgehalten wird.

12./13. Tag. Rub al-Khali

Thorsten hat in seinem Garmin-GPS Wasserlöcher gespeichert, so dass wir auch heute wieder eine Bohrstelle ansteuern, aus der heißes Schwefelwasser in eine Kameltränke und in einen kleinen See quillt. Im Schilfgürtel des Sees beobachten wir Libellen und Austernfischer. Einige Teilnehmer baden in der Tränke.

Die Wüste


Vom Wind geformte Sandflächen mit Baumresten

Dann fahren wir weiter durch Dünengebirge, deren Schattenlinien mit Glanzstellen wechseln und dann in rötliche, gelbliche und weiße Flächen übergehen. Der Blick gleitet über Ebenen mit einem Kalk- oder Salzüberzug, die wie Seen oder Schneeflächen in der Sonne leuchten, er trifft auf ein Dünenmeer, dessen Wellenberge manchmal Polster bilden wie glänzende Seidenkissen. An den oberen Rändern, deren geschwungene Linien die farbigen Sandflächen eingrenzen, erleben wir am Abend eine Art Schneetreiben über die Grate, wodurch sich die Schärfe der Linie in einen grau-gelben Wischrahmen verwandelt. Die ästhetischen Gestaltungen durch die Natur sind bewunderswert.

Die Rub al-Khali, das leere Viertel (600 000 qkm), entstand durch Sande, die von Syrien und Jordanien nach Südwesten transportiert wurden. Der Sand stammt von Sandsteinen, die auf Grund einer fehlenden Pflanzendecke durch das Klima erodiert wurden und durch die Shamal-Winde zu langgestreckten Dünen aufgehäuft wurden (nach I. Guba, Oman, Wunderland der Geologie, 2002). Die geometrischen Formen der Dünen sind von Richtung und Kraft des Windes abhängig und ändern sich ständen. Die Wahiba-Dünen z.B. wandern jährlich 10 m.


Vom Wasser gebildete weiße Salzflächen

Überraschenderweise finden sich in der Wüste auch weiße Salzverkrustungen. Das Salz hat sich durch Wasser (Tau, Regen oder Grundwasser) aus dem Salz der Steine im Untergrund herausgelöst und tritt bei Verdunstung an die Oberfläche.

Unser nächster Halt ist wieder eine Quelle mit einem großen, kalten Pool, in dem man sogar einige Züge schwimmen kann. Hier bade ich mit großem Vergnügen, da die Hitze inzwischen 33° überschritten hat. Eine Neusiedlung mit Moschee und leeren Läden, aber ohne Menschen, liegt auf unserem Weg. In der Nähe weiden viele schwarze Kamele, die ihre gerade geborenen Jungen vor der Sonne zu schützen suchen.

Am Rand eines neu angelegten Palmengartens picknicken wir mit Fladenbroten aus der Fabrik, mit Kichererbsenmus, Oliven, Nüssen, Bananen und Sesamknödeln.

Vor uns liegt eine Geröllebene voller Steinkugeln bzw. weißliche, verschrumpelte Kartoffeln, Geoden. Im Innern finden sich kristaline Gebilde. Die Wände sind ausgekleidet mit Achaten in zarten Pastelltönen, auf denen gelbe, violette, braune und weiße Quarzkristalle sitzen. Die Geoden sind durch gelöste Kieselsäure entstanden, die in Hohlräumen von Gesteinen zirkulieren. Der Sammeltrieb wird wach und die Gruppe schwärmt aus und klopft und vergleicht die kristallinen Inhalte. Wer hat die schönsten Geoden gefunden? 10 cm Durchmesser.Wieviel Steine können wir im Auto und später im Flugzeug mitnehmen?

Bei der Suche nach einem schönen Zeltplatz fährt sich ein Fahrzeug wieder im Fließsand fest.


Vom Wind geformte Gebirgsketten aus Sand

14. Tag. Rub al-Khali, Urbar, Grab des Propheten Hiob/Ayub, Salalah

Heute führt die Strecke wieder aus den wunderbaren Dünen hinaus Richtung Süden. Die Landschaft wirkt hier leerer als im leeren Viertel, der Rub al-Khali. Nichts hält das Auge. In der Ferne tauchen Seenlandschaften mit Inseln und grünen Flächen auf. Eine Fata Morgana? Die grünen Flächen stellen sich als wachsendes Kamel- und Kuhfutter heraus, das mit riesigen Beregnungsanlagen in der Wüste erzeugt wird. Wieder ein omanisches Wunder? Die Inseln entstehen durch das Flimmern der heißen Luft. Kein Wunder! Die Grasfelder gehören der Dhofar Cattle Feed. Sie sollen 500 Milchkühe ernähren.

Weitere Spuren der Zivilisation: wir treffen auf eine Gruppe von sechs Motorradfahrern aus dem süddeutschen Raum., dann auf die Ruinen der alten Siedlung Urbar und das Grab des Propheten Hiob (Ayub), 700 m oberhalb von Salalah., der Hauptstadt des Dhofar.

Wir sind wieder in einem großen Siedlungsgebiet im Süden des Oman, am Meer. Dieses Gebiet erhält während des Sommermonsuns von Juni bis September Niederschläge in Form von feinem Nebel, der das Land in ein grünes Paradies verwandelt. Im Juli und August fällt hier an 30 Tagen Regen. Jetzt, im Februar, ist das Land eher trocken-braun. Trotzdem sehen wir auf den Straßen und auf den Sandfeldern große Kuhherden.

Bevor wir das vorgesehene Hotel anfahren, besichtigen wir noch die von der Brandung pfeifenden und sprühenden Löcher ivon Mughsayl an der Felsenküste östlich der Stadt.

Aus der Geschichte des Dhofar

Erst 1879 kommt Dhofar zum Sultanat Oman.

In der fruchtbaren West-Provinz Dhofar ( das hier gewonnene Harz des Weihrauchbaumes trug im Altertum zum legendären Reichtum der Könige von Saba bei ) erhebt sich die Bevölkerung 1964 erstmals gegen den Vater des heute regierenden Sultan, den seit 1932 despotisch regierenden Sultan Said Ibn Taimur. Dem war es 1957 mit Hilfe der Briten gelungen, das Ibaditen-Imamat im Landesinneren zu besiegen. Der Imam flieht nach Saudi-Arabien, und der Sultan setzt sich selbst zum religiösen Führer der Ibaditen ein.

Danach beginnen britische Firmen mit der Erschließung der bereits 1949 in Oman entdeckten Erdölquellen.

Dank des florienden Erdölexports steigt Oman ab 1960 rasch zu einem der reichsten Länder der Welt auf, bleibt aber aufgrund der extrem orthodox-konservativen Regierung von Sultan Said Ibn Taimur, der beharrlich an seiner Isolationspolitik festhält und jegliche Modernisierung unterbindet, das rückständigste Land der Arabischen Halbinsel: Die Sklaverei wird aufrechterhalten, das Schulsystem bleibt auf Koranschulen beschränkt (mit Ausnahme von drei, nur Knaben zugänglichen Grundschulen, an denen jeglicher Fremdsprachenunterricht strikt untersagt ist), die Stadttore der Hauptstadt werden weiterhin bei Sonnenuntergang geschlossen, Radios, Sonnenbrillen und das Rauchen in der Öffentlichkeit sind verboten, und es gibt (außer in der Hauptstadt) weiterhin landesweit weder Fahrräder noch Autos und kaum Elektrizität.

Nach jahrelangen Kämpfen kommt es 1976 durch Vermittlung Saudi-Arabiens zu einem Waffenstillstandsabkommen mit den Aufständischen, der PFLO und dem Süd-Jemen. Trotzdem flackern die Unruhen in der Provinz Dhofar immer wieder auf und können erst 1982 endgültig beendet werden.



Aus diesem Baum fließt ein weißes Harz, das als duftende Weihrauch-Gabe zu Ehren der Götter verbrannt wurde und als eine Art Gold die Besitzer reich machte.

15. Tag. Salalah, Hauptstadt der "grünen" Westprovinz

Die Gärten zwischen Hotel und Stadt zeugen von der Fruchtbarkeit und dem Wasserreichtum der Gegend. Die Felder der Royal Farm mit Kokos, Bananen, Mangos, Papaya und Zuckerrohr erstrecken sich über 5 km zwischen Straße und Meer.

Das neue, palastartige Museum von Salalah liegt an der Küste neben der Ausgrabungsstätte al-Bagheel (Batuta erwähnt schon im 14. Jh. die 50 Moscheen in dieser Stadt). Hier wird auf fortschrittlichste Weise die Geschichte und das Land Oman präsentiert. Die luxuriösen Präsentationen übertreffen sogar die pädagogisch gut gemachten in Den Haag und anderen europäischen Städten. Leider darf hier nicht fotografiert werden.

Am Nachmittag, nachdem wir im Meer geschwommen haben, erleben wir mit weiteren Hotelgästen aus verschiedenen Ländern, wie die Fischer mit Hilfe von 5 Pickups und über 100 Helfern über Stunden ihre Netze aufs Land ziehen. In den kommenden Tagen werden wir bei unserer Fahrt entlang der Küste immer wieder erleben, welche Mengen an Fischen hier mehrmals am Tag angelandet werden. Der Fischreichtum scheint hier unermesslich.


Die Netze werden von Menschen oder Autos an Land gezogen.

Diese Küste gehört zu den fisch- und artenreichsten des Arabischen Meeres und Indischen Ozeans. Insgesamt wurden mehr als 150 verschiedene Fischarten gezählt. In den gelb, rot und purpurrot gefärbten Korallenriffen lebt eine Unzahl tropischer Fische, darunter Papageienfische, rote und blaue Falkenfische, Löwen- und Schmetterlingsfische. Aber davon bekommen wir keine zu Gesicht, dennn dann müssten wir vor der Küste tauchen.

Was wir sehen, erfüllt uns mit Abscheu: Mehrere große Rochen werden an Land bei lebendigem Leib in Stücke geschnitten, weil sie für den Transport zu schwer sind.

Nach dem Besuch des Gold- und Weihrauchsouks probieren wir das etwas feste, aber wohlschmeckende Kamelfleisch mit Salaten, Pfannkuchen, Kichererbsen- und Auberginenpaste.

16. Tag. Mirbat, Fort Taqah, Grab des islamischen Heiligen Bin Ali, Weihrauchhafen Sumhuram /Khor Rori


Der versandete Hafen Sumhuram weist auf die historische Bedeutung des Weihrauchhandels hin.

In den Ruinen des ausgegrabenen Weihrauchhafens Sumhuram /Khor Rori begegnen wir einer Kultur aus vorislamischer Zeit mit Wasserleitungen, Zisternen, Vorratshäusern für Weihrauch, Inschriften auf Steinen und Tempel des Gottes Syn. Die Stadt wurde im 1.Jh v. Chr. vom König des Hadramaut (heute Jemen) gegründet.

Die Ruinen künden von einer entwickelteren Stadt-Zivilisation, die sich gegen die primitive Hirten- und Kriegerkultur des Hinterlandes durch Stadtmauern schützen musste. Gegründet wurde die Stadt auf Veranlassung des Königreiches von Hadramaut.
(http://home.arcor.de/muslimeindeutschland/buecher/symbole/arabienin/vorislamischerzeit.html)

Vorbei an Baobabbäumen gelangen wir zu einem Zeltplatz am Rand der Hochebene, die 1200 m oberhalb der Küste liegt. Hier lösen sich die von der Küste aufsteigenden Wolken auf und die Reste werden vom Wind über die Felsen gejagt, so dass es überall aus vielen Felsspalten herausdampft und die Landschaft in einen Hexen- und Geistertanzplatz verwandelt wird. Über die Kronen der Drachenbäume und die Spitzen der schwarzen Felsen stürzen sich große Vögel in die Luft und verschwinden hinter den Wolkenfetzen.


Blick von der Hochebene Samhan auf die Küstenebene von Mirbat

Auch Einheimische beobachten die rauchenden Felsen. Zwei junge Männer, etwa 27 Jahre, beklagen ihr Schicksal, weil die Frauen hier so teuer seien. Sie müssten 50 000 - 60 000 Euro aufbringen, obwohl der Frauenanteil in der Bevölkerung bei 52% läge. Jedenfalls müssten sie ihre großen Autos verkaufen. Welch Jammer! In der Hauptstadtregion seien die Frauen zwar billiger, aber ihre Familien bestünden darauf, dass sie einheimische Frauen heirateten. Ausländische Frauen seien tabu. Eine solche Heirat habe die Regierung verboten.

17. Tag. Ölfelder von Marmul, Djabal Zhalul/ das Schattengebirge, Bucht von Shuwaymiyah

Wieder zurück auf eine graue Piste und eine schnurgerade Asphaltstraße, die durch eintönige, steinige Landschaften führt, so dass unser Fahrer einzunicken droht, fast eine Kuh überfährt und einmal fast neben der Straße landet. Hellfarbigen Kamelen auf der Straße müssen wir ausweichen. Hinter Marmul tauchen in der Ferne "nickende Esel" in einem Ölfeld auf.

Unser Zeltplatz liegt wieder in der Nähe der Küste zwischen großen Gesteinsplatten, Meeressedimente, die das Meer auf Sandbänke geschoben und zerbrochen hat. Hier, in der Bucht von Shuwaymiyah, kann man unbeobachtet im Meer baden. Am Abend machen wir noch einen Ausflug zu einem Fischerdorf, wo wir auf eine große Gruppe dunkler, wild aussehender Frauen treffen, die uns zum Kauf von selbst geflochtenen Körben und Hüten mit Ledereinlagen überreden wollen. Es sind Sansibari. Das weist auf die lange Herrschaft der Sultane von Oman über die Insel Sansibar hin.


Unser Zeltplatz in der Bucht von Shuwaymiyah

Die omanische Geschichte der Insel Sansibar

1840 verlegt Sultan Sayyid Said seine Residenz von Maskat auf die Insel Sansibar (bis 1856) vor der Ostküste Afrikas ( heute gehört sie zu Tansania) und macht die Insel zu einem bedeutenden Umschlagplatz für afrikanische Sklaven und Gewürze (Nelken, Vanille, Muskat, Zimt, Kardamom).

Erst 1964 kommt es zum Aufstand der schwarzen Bantu-Bevölkerung gegen die arabisch- und indischstämmige Herrschaftsschicht. 125 000 Menschen werden umgebracht. Viele Menschen fliehen in andere arabische Staaten, der Sultan flieht nach London. Dadurch verliert die Insel 80% ihrer Bevölkerung. Mit Hilfe der DDR werden für die armen Schwarzen, die bisher in Lehmhütten gelebt hatten, Mietskasernen in Plattenbauweise nach sozialistischem Vorbild und breite Aufmarschstraßen gebaut.


Vulkanische Landschaft bei Ra`s Madrakah

18. Tag. Khaluf

Wieder fahren wir endlos durch unwirkliche Mondlandschaften vorbei an endlose Schutthalden und Abfallraum. Ich werde an die seelenlosen Hopperbilder erinnert, wenn wir an menschenleeren Häuserzeilen in der Wüste vorbeifahren oder an riesigen, modernen Tankstellen. Die Zivilisation präsentiert sich hier immer eine Nummer zu groß. Gebaut wird hier für eine andere Zeit. Die breiten Straßen, die Verkehrskreisel und die vielen Verkehrsschilder in der Geröllwüste muten wie eine Kulisse an für einen Film, für den die Schauspieler noch nicht eingetroffen sind. Manchmal hält ein Auto, die schwarzen Scheiben gehen herunter und wir sehen: es sitzen verschleierte Frauen auf den Hintersitzen und ein weiß gekleideter Mann öffnet die Autotür, um eine Coca, Kinderschokolade oder Kekse im Tankstellenladen zu kaufen.


Keine Idylle!!

Am Abende schlagen wir unsere Zelte am Meer auf schwarz-weißem Sand zwischen schwarzen "Kohlebergen und Abraumhalden" auf. Fischer landen mit ihren Booten wieder Unmengen an Fisch an, den Pickups sofort weiter transportieren zur nahen Fischfabrik, die etwas verlassen in der Wüste liegt.

"Wieder ein Platz ohne jede Infrastruktur" klagt eine Reiseteilnehmerin. "Alles müssen wir selbst erledigen. Wir kommen an, wir fahren ab, wir bauen unser Haus auf und bauen es ab. Wir haben keine Stühle, wir finden kein Essen vor, wir arbeiten, wir schneiden Gemüse, wir spülen unser Geschirr, wir liegen zum Essen auf einer Decke und wälzen uns hin und her, wir nehmen unsere eigene Tasse, kochen den Tee und reinigen uns mit einigen Tropfen Wasser."

Am Lagerfeuer braten wir am Abend zwei große gefleckte Barsche.

19. Tag. Südküste in Richtung Wüste Ramlat al-Wahiba

Bereits am Morgen fahren die Fischer mit Booten zum Fischfang, während andere Boote schon wieder neuen Fisch anlanden. Der Sandstrand ist voller verborgener Schnecken, die sich bei unseren Schritten plötzlich unter dem Sand bewegen, hoch wälzen und mit dem großen Fuß nach oben drehen.Wahrscheinlich haben die Erschütterungen ihren Gleichgewichtssinn verwirrt.


Fischer ohne Hafen

Wir fahren auch heute zunächst über eine graue, öde Ebene. Der Blick in die Ferne gleitet zum Horizont, trifft auf kein Hindernis, eine Leere, in der manchmal Anfänge einer menschlichen Besiedlung überraschen oder steile Abbrüche zum Meer hin oder riesige Feuersteinknollen wie erstarrte Monster aus einer Urzeit.


"Steingärten"

Hitze flimmert über das Land. Als wir zum Meeresstrand abbiegen, stoßen wir wieder auf Fischer, die Fische aus ihren Netzen schütteln, im Hintergrund verfallene Hütten, dann wieder Reihenhäuser, Versuche, diesen unwirklichen Landstrich zu besiedeln. Zwischen Meer und versteinerten Dünen erreichen wir schließlich die zweite große Wüste des Oman, die Wahiba. Die Dünen liegen wie riesige Rücken von Walen vor uns. Parallel zu den Dünen, die in Nord-Süd-Richtung verlaufen, fahren wir auf einer schmalen Piste nach Norden. Die Fahrt hat uns ermüdet. Keine improvisierten Gesänge. Die meisten leiden still vor sich hin oder einige schimpfen und erzählen von ihrer Fahrt durch die libysche Wüste. Am Abend halten wir weitab von der Piste zwischen niedrigen Sanddünen und abgestorbenen Strauchresten. Der Meerwind treibt den Sand vor sich her, in dem wir versuchen unsere Zelte zu befestigen. Die Damen der Gruppe halten verzweifelt Ausschau nach heimlichen Toilettenörtchen.


Wassertankstelle in der Wahiba

20. Tag. Durch die Wahiba-Wüste

Dünenbilder. Weite Hänge wechseln zu niedrigen Buckeln. Wir fahren mit 50-60 Stundenkilometern über eine Hochebene. Ein Brunnen, ein Beduinenlager. Haben wir hier die Zivilisation jetzt ganz und gar hinter uns gelassen? Die Beduinen hausen recht primitiv ohne Elektrizität am Abhang einer Düne. Zwei Räume: eine Küche und ein Schlafraum, und rundherum Ziegen und Kamele. Was wir sehen, ist ein Slum in der Wüste: der Wohnplatz ist übersät mit Dosen, Plastikresten und Scherben. Die Wohnräume bestehen aus Drahtkäfigen, die mit blauen und schwarzen Plastikbahnen überzogen sind. Abseits steht ein Pickup, für den sie uns um Benzin bitten. Im Sand liegen Porzellantassen, aus denen wir Tee angeboten bekommen. Die übrigen Küchengeräte liegen ebenfalls im Sand oder oben auf dem Drahtkäfig.


Eine Beduinenküche in der Wahiba

Gegen Mittag essen wir unter Palmen. Nachdem sich die Ebene zu einem breiten, flachen Tal geweitet hat, treffen wir auf mehrere Lager mit mietbaren Hütten und Zelten, Duschen und Toiletten.

Eine Übernachtung kostet 30 €. Zum Ärger einiger Teilnehmer fahren wir aber einige Kilometer weiter in wundervolle, hohe Dünen und übernachten wie immer in unseren kleinen Igluzelten, verzichten auf eine Dusche und suchen uns ein WC in der Natur.

21. Tag. Kamelritt durch die Wüste

In der Nacht regnet es etwas, die Zelte sind außen vom Regen und innen vom Kondenswasser nass. Heute erwartet uns ein besonderes Abenteuer. Unten im Tal warten sieben Kamele auf uns. Nur das Nötigste packen wir ein. Das Übrige werden die Autos zum vereinbarten Treffpunkt am nördlichen Rand der Wüste bringen.


Kamelreiten in der Wahiba

Der Reittag wird zu einem wirklichen Abenteuer. Nachdem wir die sehr unterschiedlichen Reittiere, hohe bzw. niedrige Kamele, mit breitem Rücken und mit schmalem Rücken, mit sehr unterschiedlicher Auflage (es gibt keine Sättel) verteilt haben, versucht jeder eine möglichst angenehme Sitzposition zu finden. Leider sind die Rückenwirbel der Kamele sehr hart und beeinträchtigen das Reitvergnügen erheblich. Auf den Deckenauflagen rutscht mancher doch arg hin und her. Wenn die Leiden des Touristenritts unerträglich werden, dann dürfen wir absteigen und zu Fuß weitergehen. Dazu brennt die Sonne unerbittlich hernieder. Schließlich erkärt eine Teilnehmerin, sie habe die Symptome eines Sonnenstiches. Als wir an einem Baum vorüberkommen, bleibt die Touristin, ausgerüstet mit einer Wasserflasche, allein im dürftigen Schatten des Baumes zurück. Sie soll später vom Kamelführer abgeholt werden. Am vorgesehenen Rastplatz gelingt es, im Sand mit dürren Ästen ein Feuer für einen Tee zu machen und über Handy Kontakt zu unseren Autos aufzunehmen. Als wir schließlich auf eine englische Familie mit einem Auto treffen, sind diese bereit, unsere zurück gebliebene Kranke abzuholen. Nachdem dann unsere beiden Autos auch eingetroffen sind, teilt sich die Gruppe für den Rest des Weges in Autofahrer und Kamelreiter.

Abdulllahs Schauergeschichten

A., unser Fahrer, ist Lehrer. Er erzählt uns immer wieder Geschichten aus dem Leben im Oman. Diesmal aber erzählt er von Menschen aus fernen Ländern. Ob wir schon in Indien gewesen wären, fragt er. Dort gäbe es eine unglaubliche Religion. Man glaube dort an viele Götter "wie Du vielleicht auch". Aber was dort angebetet werde, das übersteige seine Fassungskraft. Die Menschen dort beteten zu einem Glied. Dabei schaut er uns mit großen Augen an und zeigt dann verschämt auf seine Hose. Dieses Glied, dieser Penis, sei groß wie ein Autobus. Die Leute ständen davor und verneigten sich. A. faltet die Hände und schüttelt sich ob des Unbegreiflichen. Die Menschen dort beteten zum Glied um Fruchtbarkeit. Weil ich verständnisvoll nicke und seine Ausführungen ergänze, indem ich ihm sage, es handele sich bei der Religion um den Hinduismus und das Glied heiße Lingam und sei ein Symbol des Hindugottes Shiva, holt er nochmal aus und fügt noch eine weitere Unbegreiflichkeit hinzu, ja, die Menschen dort würden auch eine Kuh anbeten. Ich komme nicht mehr dazu, ihn über den Hinduismus und die sogenannten Reittiere der Götter aufzuklären. Wahrscheinlich ist es ihm als Moslem, der immer wieder in seinen Gebeten die Einzigartigkeit Allahs beteuert, nicht möglich, solche Rituale und Überzeugungen zu verstehen. Ob ich schon in Afrika gewesen sei, fragt er dann und vertraut mir die Ungeheuerlichkeit an, dass der Präsident eines afrikanischen Staates Kinderfleisch esse.


Traditionell gekleidete Omanis haben auf dem Markt in Ibra Schafe gekauft.

22. Tag. Ibra, die Stadt der feindlichen Stämme, die Begräbnistürme von Bani Djabr

Auf dem Markt von Ibra treffen wir viele westliche Touristen, die hier die Gelegenheit nutzen, auch einheimische Frauen mit ihren Gesichtsmasken zu fotografieren, die zum Frauenmarkt gekommen sind. In der Altstadt von Ibra gibt es noch viele unbewohnte Ruinen. Diese Ruinen werden nicht abgerissen, weil das Grundstück bei Zerstörung eines Hauses an den Staat fällt.

Das alte Ibra war eine stark befestigte Stadt, allerdings ohne zentrale Festungsanlage. Sie ist ein Beispiel für die andauernden Kämpfe der Stämme untereinander. Bis zum Jahr 1977 gab es eine Regelung, nach der sich die verfeindeten Stämme nicht an Nachmittagen beschießen durften. Nur in dieser Zeit waren deshalb die Geschäfte geöffnet. So erklären sich die in 100 m Abstand hintereinander liegenden sechs Stadttore, die die Stadtviertel und die verfeindeten Angehörigen des Al-Maskri und des Al-Harthi-Stammes voneinander trennten. Die beiden Stämme hatten jeweils eigene Wasserkanäle und Souks.

Von Ibra aus fahren wir auf schmalen Pisten 1665 m hoch auf die unwirtliche, nur von Geistern bewohnte Hochebene von Bani Djabr, wo hohe, runde Begräbnistürme stehen, 4500 Jahre alt, in denen Knochen und Nahrung gefunden wurden. Insgesamt wurden 90 Türme gezählt. Der Sage nach sollen sie vom Berggeist Kebir gebaut worden sein.

In der Region bei Bat und Al-Ayn, die wir nicht berühren, gibt es ähnliche Grabtürme, die man auf Ansiedlungen zurückführt, deren Menschen mit dem Kupferabbau beschäftigt waren. (Umm al-Nar-Kultur)


Bienenkorbhaus und Begräbnisturm

Direkt unterhalb einiger Türme bauen wir unsere Zelte auf dem steinigen Boden auf, während der Wind so stark pfeift, dass wir Schwierigkeiten haben, das Überzelt mit schweren Steinen zu beschweren. Die Sandhäringe sind auf dem steinigen Boden unbrauchbar. Am Abend wird es lausig kalt, so dass ich mehrere Pullover übereinander anziehe. In der Nacht sinkt die Temperatur auf 9° C. Die Kälte und die im Wind hin und her schlagende Zeltbahn verhindern den Schlaf. Aber über uns leuchten unzählig viele Sterne.

23. Tag. Sur

Über Fels, Geröll, vorbei an tiefen Schluchten und an vom Wind ausrasierten hohen Kegelstümpfen nähern wir uns der Meerseite, wo sich die Wolken stauen. Die Lehm- und Geröllpiste hinab zur Küste ist die steilste, die ich je gefahren bin, etwa 25% Gefälle. Nach jedem Regen muss sie erst wieder repariert werden. Während die Hochebene unbewohnt ist, sehen wir hier Zelte bzw. Wohnkäfige von Hirten und rechteckige, schmucklose Betonhäuser. Wie viel schöner sind die uralten Adlerhorste aus Bruchsteinen im Jemen.

Entlang der Küste wird eine vierspurige Autobahn gebaut mit hohen Brücken, so dass auch der Eingang zum Al-Shab, dem schönsten Wadi Omans, hinter einer Brückenkonstruktion verschwindet.


Die moderne Stadt Sur

Sur empfängt uns als moderne, reiche Märchenstadt. Die Straßen sind eingerahmt von blühenden Blumenrabatten und Laternen. Große Villen zeigen den Reichtum der Bewohner, der seit 1998 auf einer Gasverflüssigungsanlage beruht, die den Export der Gasvorkommen noch 100 Jahre garantieren soll.

Mit der Fertigstellung der Gasverflüssigungsanlage ist Oman nun in der Lage, Erdgas ( es fand bisher nur im Inland zur Stromerzeugung und in privaten Haushalten Verwendung ) zu exportieren. Hauptabnehmerländer sind Japan und Süd-Korea. Schon seit 1994 verfügt Oman mit der Fertigstellung eines Kupferschmelzwerks über eine weitere erdölunabhängige Einnahmequelle.

In Alt-Sur dagegen finden wir noch die alten Quellen des Reichtums. Hier werden noch Dhaus, traditionelle Holzschiffe, von indischen Arbeitern gebaut. Gegenüber liegt der kleine Hafen Al-Ayjah, in dem Angehörige des Stammes der Bani Bu Ali wohnen, die 1928 sich für unabhängig erklärten und als Anhänger der Wahhabiten die saudische Flagge hissten.


Al-Ayjah an der Lagune von Sur

24. Tag. Ruinen von Qalhat, Wadi Tiwi, Mutrah, Muskat

Endlose Fahrt nach Norden über staubige Pisten, da die Autobahn noch nicht fertig gestellt ist. Unterwegs werden alle Touristen zu den kümmerlichen Ruinen von Qalhat geführt. Ein Erlebnis ist die Wanderung durch das enge Wadi Tiwi. Über alte und neue Wasserleitungen, die als schmaler Wanderpfad an den steilen Hängen des Wadi von uns und den Einheimischen genutzt werden, zwischen blühenden Dattelpalmen, die gerade durch Baumkletterer bestäubt werden, indem sie Pollenbüschel, die man auch auf dem Markt kaufen kann, über die weiblichen Blüten schütteln, zwischen blühenden Avokadobäumen, vorbei an planierten Flächen zum Trocknen der Datteln gelangen wir zu kleinen versteckten Dörfern, deren alte, mehrstöckige Häuser z.T. noch aus Bruchsteinen erbaut sind.

Nach einem Lunch neben einer Tankstelle, die wie überall in Oman ein neues Zentrum mit Moschee, Geschäften und Restaurants bildet, erreichen wir die dunkle Felsenregion der Hauptstadtzone um Mutrah und Muskat.


Prachtstraße zwischen Felsen und Meer von Mutrah nach Muskat

Die Straßen übertreffen sich gegenseitig durch ihre Blumenpracht. Große Paläste und weiße Villen und große Verkehrskreisel mit unglaublichen "Kunstwerken" wie eine Schnabeltasse, ein Schwert, ein Flamingo oder ein Delphin. Den Höhepunkt des Hauptstadtschmuckes sehen wir in Mutrah, wo die Kunstberater des Sultans einen Stilmix präsentieren aus kostbaren und äußerst profanen Werken. Am Hafen grüßt ein riesiges Ufo, das einen Weihrauchbrenner darstellen soll, der abends farbig beleuchtet wird. Eine andere traditionelle Form eines Weihrauchbrenners schmückt einen Kreisel.


Typisch omanische Kunst

Die Prachtstraße ist mit güldenen Tempelchen, bekrönten Straßenlaternen und vielen Delphinen in verschiedenen Positionen geschmückt. In der Marmorballustrade, die das Meer abgrenzt, sind Landschaftsbilder aus dem Oman eingraviert. Das alles wird getoppt durch die Festungen oberhalb des Hafens zwischen den schwarzen Felsen, eine wunderbare Filmkulisse.

Am nächsten Tag sehen wir weitere imposante Bauwerke: die riesige Moscheeanlage Qaboos, eine Art "Neuschwanstein" Omans, wo die Gestalter alle kostbaren Materialien und Stile entsprechend der islamischen Tradition präsentieren. Wie immer ist offensichtlich, dass Geld keine Rolle spielte im Wettstreit der islamischen Herrscher um das "schönste" und größte Moschee-Gebäude der Welt.

Ein weiterer Höhepunkt ist das Konsumparadies, der LuLu-Supermarkt.

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Neue und alte Moden ??

Überrascht werden wir durch eine schiitische Tradition. Hinter der Hafenmoschee gehen wir durch ein Wohnviertel mit schwarz verhängten Häusern, schwarzen Fahnen und anderen ausgestellten Symbolen. Auf Plätzen wird ein riesiger Topf mit Suppe aufgestellt, während schwarze Limousinen in den schmalen Gassen einen Platz zum Parken suchen. Es handelt sich um das 10tägige Aschura-Fest, das von den Schiiten auf der ganzen Welt zum Gedenken an den Tod des dritten Iman Hussein, einem Enkel Mohammeds, gefeiert wird. Im Irak und in Pakistan kommt es an diesem Tag zu Bombenanschlägen mit vielen Toten, verübt von den islamischen Gegnern, den Sunniten.


Der Personenkult um den wie einen Heiligen verehrten Sultan Qaboos: Sein Bild sieht uns immer wieder an. Straßen, Plätze, Gebäude sind nach ihm benannt.

Zur Person des herrschenden Sultans

23. Juli 1970
Prinz Qaboos Ibn Said (Ibn Taimur al-Said), der einzige Sohn des orthodox-konservativen Sultans Said Ibn Taimur soll seinen Palast in Muskat, wo er mit etwa 170 Frauen lebte in den letzten 17 Jahren nicht mehr verlassen haben, setzt mit Hilfe einiger britischer Offiziere in einem unblutigen Staatsstreich seinen despotischen Vater ab. Der neue Sultan er hatte in England Kommunalverwaltung studiert, eine Ausbildung auf der Militärakademie in Sandhurst absolviert und sogar bei der britischen Rheinarmee gedient, war von seinem despotischen Vater nach seiner Rückkehr vier Jahre lang unter Hausarrest gesetzt worden hält zwar weiterhin an der absoluten Monarchie fest (kein Parlament, keine politischen Parteien), schafft jedoch als erstes die Sklaverei endgültig ab, hebt die Ausgangs- und Ausreisebeschränkungen auf, sorgt für die Gleichstellung von Mann und Frau im öffentlichen Leben und nimmt, unter Wahrung islamischer Traditionen, mit Hilfe ausländischer Fachkräfte die Umwandlung des rückständigen Oman in einen modernen Staat in Angriff. Innerhalb weniger Jahre gelingt ihm (dank der reichlich gefüllten Staatskasse) nicht nur die Umgestaltung der Hauptstadt Muskat in eine moderne (und saubere) Metropole mit ultramodernen Hochhäusern und Hotelanlagen sowie zigtausenden, vollklimatisierten Sozialwohnungen und der Aufbau eines ausgeklügelten Verkehrsnetzes (bei seiner Machtübernahme gab es nur eine einzige, zehn Kilometer lange, gepflasterte Straße, die zum Sultanspalast in Muskat führte), sondern auch die Entwicklung eines Rentenversicherungssystems und eines flächendeckenden, für alle Bürger kostenlosen Bildungs- und Gesundheitswesens, sowie der Bau moderner Bewässerungsanlagen, die eine Vergrößerung der landwirtschaftlichen Anbaufläche ermöglichten.
Ab 1993
Da die Erdölreserven Omans voraussichtlich um 2020 erschöpft sein werden, investiert Sultan Qaboos Ibn Said den Großteil der Gewinne aus dem Ölexport in den Ausbau einer ölunabhängigen Wirtschaft (u.a. Montanindustrie, Landwirtschaft, Fischerei, Dienstleistungssektor, Fremdenverkehr).
1994
Mit der Fertigstellung eines Kupferschmelzwerks verfügt Oman über eine weitere erdölunabhängige Einnahmequelle.
1995
Sultan Qaboos Ibn Said akzeptiert erstmals zwei Frauen im 82köpfigen Nationalen Konsultativrat.
(Oman ist weiterhin eine absolute Monarchie. Eine Verfassung existiert nicht. Die Rechtssprechung orientiert sich am islamischen Recht [Scharia]. Der Sultan ernennt sowohl die Gouverneure der 59 Verwaltungsdistrikte als auch die Mitglieder des Kabinetts, dem er selbst vorsitzt. Der Nationale Konsultativrat, dessen Mitglieder von der Bevölkerung der einzelnen Verwaltungsbezirke vorgeschlagen werden, besitzt noch immer nur beratende Funktion.)

Nach Beginn des irakisch-iranischen Golfkrieges (1980 -1988) genehmigt Sultan Qaboos Ibn Said den USA einen Militärstützpunkt auf der vor der Südküste Omans gelegenen Insel Masirah.


Zum farbigen Sultanspalast in Muskat führt eine Marmorstraße mit duftenden Blumenrabatten. Sein Dach wird von drei Blütenstängeln in zwei Farben getragen, ein Konglomorat verschiedener Stile.

Sultan Qaboos richtete am Tage seiner Thronbesteigung 1970 u.a. folgende Worte an die Stämme Omans:

"Mein Volk, ich werde so schnell wie möglich damit beginnen, Euch ein Leben und eine Zukunft in Wohlstand aufzubauen. Ein jeder von Euch muss seinen Beitrag dazu leisten. Unser Land war einst stark und berühmt. Wenn wir mit vereinten Kräften arbeiten, werden wir diese ruhmreiche Vergangenheit wieder aufleben lassen und den uns angemessenen Platz in der Welt einnehmen können.

Mein Volk, meine Brüder, gesterm herrschte völlige Dunkelheit, aber mit Gottes Hilfe wird morgen ein neues Licht über Muscat, Oman und seinem Volk scheinen."

Rückflug wie beim Hinflug über Dubai mit Schwierigkeiten, wegen Nebels bzw. wegen eines Sandsturms in Dubai mit drei Stunden Verspätung, Anschlussflüge weg, Hotels ausgebucht, eine kalte Sesselnacht in dem Flughafen von Dubai. Im Flugzeug am nächsten Morgen eine Stunde Wartezeit, weil das Hinweisschild "Exit" erst neu angebracht werden muss. Nach 6 Stunden Flug und drei Stunden Eisenbahn wieder zu Hause.

Matthias hat 24 Stunden Video mitgebracht und ich 400 Fotos, die dokumentieren, dass die Reise sehr ereignisreich und interessant war, aber anders als erwartet.

Besonders unser Reiseleiter Thorsten trug zum Gelingen der Fahrt bei. Er musste all sein psychologisches Geschick aufwenden, um manche Gruppemitglieder in stressigen Situationen bei Laune zu halten.

Stein und Sand und Straßen
und Blumen in der Stadt
wer wohnt hier in Palästen?

Salz und Sand und Strand
und Automenschen in der Wüste
wer sucht hier mehr?

Aufgespießt mit den Augen
quillt Öl über Mensch und Natur
verdeckend den Blick ins Paradies.

Nachtrag zur Kultur im Oman

1. Der omanische Lyriker und Dramatiker Abdullah al-Ryami wurde im vorigen Jahr verhaftet und verhört. Er war zuvor schon mehrmals mit den Behörden in Konflikt gekommen, weil er sich für demokratische Freiheiten in seinem Land einsetzt. Al-Ryami wird zur arabischen Free verse-Bewegung gerechnet. Im Kontrast zur klassischen arabischen Lyrik vermeidet er perfekte Metaphern und hohe Lyrizismen. s. Gespräch mit dem Autor im Guardian vom 16.3.2006

Crossing

The storm that meets
nothing in its path
dies.
And short sentences
are the best way
of crossing oceans.

2. ...im Oman selbst ist eine aktive kulturelle Bewegung im Gange: von der Veranstaltung der verschiedenen Festivals für Film, Theater oder Lyrik bis zur kritischen Auseinandersetzung über das Vorherrschende in Kultur und Gesellschaft. Im Lande selbst wuchs eine neue Generation von Intellektuellen, Schriftstellern und Dichtern heran, die sich engagieren und kritisch mit den alten überholten Denkweisen, Sitten und Gebräuchen auseinandersetzen, die der Gesellschaftsentwicklung im Weg stehen. (Aus der Zeitung ALHAYAT Nr. 16062 v. 27.03.2007)

- Einer der aufstrebenden, jungen Intellektuellen ist der omanische Dichter Seif El-Rahbi/Saif ar-Rahbi. Ende März 2007 weilte er in Jeddah/Saudi-Arabien, wo er für sein Wirken geehrt wurde. Anschließend äußerte er sich am 27. März in der arabischen Tageszeitung "Al -Hayat" über die Rolle der omanischen Intellektuellen in der omanischen Gesellschaft. Auch setzte er sich mit der Rolle anderer arabischer Intellektuellen in Oman auseinander.

Saif ar-Rahbi wurde 1956 in Oman geboren. Er studierte in Kairo und lebte später u.a. im Libanon, in Syrien, Bulgarien, Holland und Frankreich. 1990 kehrte er in den Oman zurück. Er ist Chefredakteur der omanischen Kulturzeitschrift "Nizwa". Auffällig ist der starke Bezug auf die Natur- und Tierwelt. Immer wieder ist von Schlangen, Füchsen, Wölfen, Kamelen oder von Bäumen, Schluchten, Felsen die Rede, doch besteht bei aller Bildhaftigkeit ein hohes Maß an gedanklicher Abstraktheit, fremdartige, kryptische Gedankengänge entziehen sich oftmals dem Verständnis.

Rückkehr (Saif ar-Rahbi)

Endlich kehr` ich zurück,
nachdem ich auf den Straßen all meine Tränen
für ein Brot
oder für eine Erinnerung eingetauscht habe.
So erwacht meine alte Angst
vor dem Wehen des ersten Schritts
vor der Pracht der Mütterlichkeit und der Willkür
der Väterlichkeit.
Ich werde sie tragen mit ihren tausend Spiegeln,
ihren Straßen, ihrem Verrat und ihrem Zauber
bis eine Sternschnuppe mir auf den Kopf fällt.

Titel aus der neu erschienen Gedichtsammlung "Das Heulen der Wölfe": "Ankunft", "Liebe", "Rückkehr", "Der Schrei", "Herbst", "Gebet", "Wüste".

Aus einem Interview der Zeitung ALHAYAT Nr. 16062 v. 27.03.2007

ALHAYAT: in einem Deiner Artikeln in der Kulturzeitschrift "NIZWA" hast Du den in Muskat lebenden arabischen Akademikern zur Last gelegt, sie seien für den Zerfall der Kultur in Oman verantwortlich; außerdem klang es sehr pessimistisch, wie Du die Möglichkeit eines kulturellen Wiedererstehens in deinem Land in der nächsten Zukunft einschätzt.

AR-RAHBI: Was ich von jenen Landsleuten aus anderen arabischen Staaten, insbesondere von Absolventen mancher ägyptischer Universitäten erlebt habe, wirkte in entgegengesetzter Richtung zu dem, was wir vertreten und über die Zeitschrift "NIZWA" und andere Blätter zu propagieren versuchen. Wir haben erwartet und gehofft, dass sie an unserer Seite mit Beiträgen und Vorschlägen für Reformen und Erneuerung unserer von salafitischem Denken beherrschten und in sich gekehrten Gesellschaft stehen. Ihre Beiträge waren sehr negativ. Viele arrangierten sich mit der herrschenden Kultur, die schon längst überholt und wirkungslos ist. Sie stellten sich gegen jegliche Art von Erneuerung und Weiterentwicklung der omanischen Kultur. Das führte zu heftigen Auseinandersetzungen und Diskussionen über diese Akademiker und deren Rolle in der Kulturszene der omanischen Gesellschaft. Und trotz alledem ist die Aufklärungs- und Erneuerungsbewegung ihren Weg weitergegangen und zu unserer Genugtuung nicht ohne gewissen Erfolg.


Bild aus einem Funduk in Ibra.
Darstellung von Menschen, die nach dem Islam verboten ist. Deshalb findet man meist dekorative Motive und abstrakte Landschaftsdarstellungen.

Beschreibung des Kulturlebens (Aus der Zeitung ALHAYAT Nr. 16062 v. 27.03.2007 )

Im Jahre 2006 präsentierte "MASKAT, die Kulturhauptstadt Arabiens", das kulturelle Niveau, das das Sultanat von OMAN nach 35 Jahren sozialen Aufbaus und kultureller Entwicklung erreicht hatte.

Das Sultanat von Oman bestätigte sein Können durch seine Kulturvereine und Klubs, Theatergruppen (mit 17 unabhängigen Theaterensembles), 46 Musikbands (inklusiv das "Oman Symphony Orchestra"), 23 Musikschulen sowie Volksmusikgruppen, staatliche Bibliotheken, 48 unabhängige Bibliotheken insbesondere die Bibliothek für Handschriften und Dokumente, die seit ihrer Gründung über 4.300 Schriftstücke gesammelt hatte, deren ältestes auf das Jahr 1228 zurück geht.

Auch die Museen leisteten ihren Beitrag zu den kulturellen Veranstaltungen dieses Jahres, insbesondere das Nationalmuseum, das Museum für Naturgeschichte, das Kindermuseum und das Sultan-Ahmed-Museum. Zu erwähnen sind auch Ausstellungen des traditionellen Kunsthandwerks, die Bücherausstellung und eine Sonderausgabe von einer Reihe von Büchern omanischer Autoren mit dem Logo der Kulturhauptstadt. Diese Leistungen sind umso mehr zu schätzen, da sie von einem jungen Volk vollbracht wurden, das im Jahre 1950 gerade 500.000 Menschen, im Jahre 1980 eine Million zählte und im Jahre 2006 gerade die Zahl von drei Millionen Einwohnern erreichte.

Es war auch ein Zeugnis für die herrschende relative Toleranz, die die Einheit der Bevölkerung in ihrer Mannigfaltigkeit festigte. Denn sie besteht zu 75% aus Omanis (meist Araber, der Rest sind Belutschen, Pakistani, Bengalen, Inder und Philippinos). Im Nordosten des Landes leben auch Omanis mit ostafrikanischem Ursprung (Sansibarer), die auch den Suaheli Dialekt sprechen. Die kulturellen Beziehungen zwischen Oman und den Anrainer-Kulturen des indischen Ozeans sind seit der Antike fortlebende und -wirkende Tatsache. Nach der Islamisierung, schon zur Zeit des Propheten, war die erstarkte Seemacht Oman maßgebend daran beteiligt, den Islam nach Indien und China auszubreiten.

Die seit über drei Jahrzehnten vom Sultanat forciert betriebenen archäologischen Ausgrabungen brachten eindeutige Zeugnisse der Geschichte über diese engen kulturellen Wechselbeziehungen. Viele dieser archäologischen Funde sind heute in einheimischen Museen zu besichtigen; sie tragen dazu bei, dass geschichtsbewusste Generationen in Oman in sozialer und kultureller Toleranz aufwachsen. In seinem neu erschienenem Werk über "Omanische Moscheen und Gräber" schrieb der Architekt und Historiker Paolo Costa: "die Islamisch-Ibadische Gesellschaft im Inneren von Oman ist eine harmonische in sich geschlossene Einheit. Das zeigt sich im straffen sozialen Gefüge, das auf der alten Stammesordnung basiert. Sie setzt sich auch geographisch ab, zwischen dem Wüsten und den Küstenregionen.

Dieses, insbesondere das am dichtesten bewohnte Al-Batinah-Gebiet, beherbergen eine grosse Anzahl von Gemeinschaften anderer Religionen (Belutschen, Sunniten, persische, indische und aus Bahrain stammende Schiiten sowie eine weitere Sunniten-Sekte im Süden, d.h. im Bezirk Dhofar). Bis vor einem Jahrhundert lebte hier auch, insbesondere in Sohar, eine kleine jüdische Gemeinde."

Trotz dieser mosaikartig ausgebreiteten Gemeinschaften und der damit verbundenen kulturellen Bereicherung in Sprachen und Literatur, in religiösen Stätten und Gebräuchen bleibt der ibadische Islam die herrschende politische und religiöse Macht in Oman.

Der ibadische Islam nahm seinen Anfang im 7.Jh. n. Chr. (d.h. im 1.Jh. der Hidschra) vom Süd-Irak aus und breitete sich aus über weite Teile des Islamischen Reiches, auch in Mekka und Medina. Mit der Zeit verlor er viel an Kraft und Macht wegen der inneren Auseinandersetzungen und Kämpfe zwischen dem Machtzentrum, dem Kalifen, und den Machtzentren in den Regionen. Allerdings blieb er die vorherrschende politische Kraft und Glaubensrichtung im Inneren Omans, in Hadramaut (Jemen) und für viele Stämme in Nord-Afrika (von Libyen bis Marokko). In Oman etablierte sich der ibadische Islam zur herrschenden politischen und religiösen Macht.

Auch die arabische Kultur bleibt die vorherrschende, ohne die anderen Kulturen zu unterdrücken oder sich den internationalen kulturellen Einflüssen zu verschließen. Hiervon zeugen die regen Teilnahmen an internationalen kulturellen Veranstaltungen: die Wirkung von "Salalah-Theater-Company" in September 2004 am Weltkulturfestival in Deutschland und die Teilnahme Omans an der Frankfurter Buchmesse. Von besonderem Wert war auch die Mitwirkung Omans als einziges arabisches Land beim 39. Smithsonian Centre for Folk Life & Cultural Heritages Festival, dem größten Kulturfestival Washingtons. Das Publikum zeigte großes Interesse an omanischen Tänzen, Gesängen und Trachten.

FAST EIN DRITTEL DER BEVÖLKERUNG SIND SCHÜLER UND STUDENTEN

Im Jahre 2006 waren 75,8% der Bevölkerung im Stande zu lesen und zu schreiben, davon 83,1% Männer und 67,2% Frauen.

Ende 2005 betrug die Gesamtanzahl der Schulen 1.120 (darunter142 Privatschulen). Die Gesamtschülerzahl lag bei 602.000 (davon fast 25.000 auf Privatschulen).

Die Anzahl der staatlichen Lehrkräfte betrug ca.29.000 omanische Frauen und Männer.

Neben der Sultan-Qaboos-Universität mit einer Gesamtstudentenzahl von 13 000 (2004/2005) existieren heute drei Privatuniversitäten: in Nizwa, Sohar und Dhofar, sowie 15 private Fachhochschulen, in denen 13.778 Studentinnen und Studenten im Jahre 2003/2004 eingeschrieben waren.

Zusätzlich befanden sich im akademischem Jahr 2004/2005 ca. 12 820 omanische Studentinnen und Studenten im Ausland.

Zu berücksichtigen sind auch Abertausende von Mädchen und Jungen, die eine Berufsausbildung in den verschiedensten Berufsausbildungszentren genießen, die unter der Aufsicht verschiedener Ministerien stehen und von privaten einheimischen und ausländischen Firmen gesponsert werden.


Kunstinstallation aus einem Museum in Muskat

Neuere Literatur zu Oman: eine bibliographische Einführung, zusammengestellt von Joachim Düster (Oman Studies Centre) http://www.oman.org/debooks.htm


Wird der Fortschritt im Oman die Kamele überflüssig machen, die Naturlandschaft, den Menschen, die Kultur und traditionelle Formen des Lebens verändern?

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