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Kambodscha

Die Hochkultur der Khmer

Karten des Tempelbereichs von Angkor

Inhalte: 36 Bilder

Die Region Angkor, Ta Prohm, Preah Khan, Beng Mealea, Angkor Wat, Angkor Thom, Koh Ker. Der Tempelturm als kosmischer Berg. Die Apsaras. Die "Schnitzkunst" der Steinmetze. Die Bildergalerien im Bayon und im Angkor Wat. Wandmalereien im Königspalast von Phnom Penh.


Bayon: 173 riesige Gesichter an 48 Türmen

Die Khmer haben aus ihrer Blütezeit so viele einzigartige Ruinen und wieder aufgebaute Tempel hinterlassen, dass ich es für vermessen halte, über alle Tempel berichten zu wollen. Im Internet sind Tausende Fotos von Angkor zu finden. Ebenso gibt es bereits jede Menge Reiseberichte und Reiseführer. Ich werde mich deshalb ganz subjektiv und kaleidoskopartig auf das beschränken, was ich für erinnernswert halte, und auf Details und Zusammenhänge, an die ich selbst immer wieder gern erinnert werden möchte. Das Ziel meiner Reisen ist meist ein kulturell-ethnologisches. Das Kennenlernen von Menschen, ihrer Lebensweise und ihrer Kultur, das verstehende Eindringen in ihre Handlungsweisen und kulturellen Errungenschaften und das Vergleichen von unterschiedlichen Lebensformen und Werken sind die Leitziele meiner Reisen.

Karte von Kambodscha

Zeugnisse der Khmer-Kultur:

-die Tempel Ta Prohm, Preah Khan, Angkor Wat, Angkor Thom, Bayon, Beng Mealea, Banteay Srei, Koh Ker,
-die Tempelanlage als Spiegel der hinduistischen Kosmologie,
-der Tanz der Apsaras,
-die "Schnitzkunst" der Steinmetze,
-die Reliefs im Bayon und Angkor Wat.

"Angkor", der größte Tempelkomplex der Welt.

Die Region erstreckt sich über eine Fläche von 1.000 qkm; die größte vor-industrielle Megapolis der Welt, die Hauptstadt eines Reiches, das vom 9. bis zum 13. Jahrhundert auf der südostasiatischen Halbinsel dominierte. Die Holzgebäude, die als Wohnung dienten, sind verschwunden. Nur die Reste der steinernen Sakralbauten sind geblieben. In Angkor gibt es heute noch Reste von über tausend Tempeln und Ruinen.

Die Könige von Angkor sahen sich als ‚Herrscher der Welt‘ mit Angkor als Zentrum der Welt. Die Könige herrschten im Auftrag ihres Staatsgottes, der das Königreich beschützte. In der Frühzeit war das der hinduistische Gott Shiva. Er wurde auch Lokeshvara, ‚Herr der Welt‘, genannt, d.i. der Name eines buddhistischen Heiligen. Angkor Wat (12. Jh.) dagegen war dem hinduistischen Gott Vishnu geweiht, dem ‚Beschützer der Welt‘. Etwa ab 1200, in der Bayon-Zeit, waren die Haupttempel dann buddhistisch.

Jeder neue König baute seinem Staatsgott einen möglichst prächtigen Staatstempel.
Daneben gibt es Ahnen-Tempel und Privat-Tempel. Buddhistische Tempel waren der Mittelpunkt von Mönchs-Klöstern.

Im Laufe von 500 Jahren - die Macht des Khmer-Reiches verfiel 1431 nach der Eroberung durch die Thai - , sind die meisten Tempel im Dschungel verschwunden, indem sie durch Erdbeben und Witterungseinflüsse zusammenstürzten und von riesigen Bäumen überwuchert wurden. Bei einigen Tempeln wurde dieser Zustand erhalten, eine romantische Kulisse für Filme und Phantasien. Zunächst will ich auf zwei dieser Tempel hinweisen, Symbole der Vergänglichkeit und des Sieges der Natur über menschliche Höchstleistungen.

Die Zeit und die Natur sind stärker als alle menschliche Anstrengung.

Ta Prohm
"Tempel von Brahma dem Ahnen", das königliche Kloster

Die äußere Begrenzungsmauer der Anlage umschließt ein Gebiet von etwa 60 Hektar, wovon der Tempel und die ihn umgebenden Gebäude nur einen Hektar einnehmen. Jenseits der äußeren Mauer befanden sich rund 3.140 Dörfer mit insgesamt 80.000 Bewohnern. Auf dem Gelände selbst lebten vor allem Mönche. Eine Tempelinschrift gibt ihre Zahl mit 12.640 an.

Der Tempelschatz bestand aus 500 kg Gold, 35 Diamanten, 40 620 Perlen, 4540 Edelsteinen, 513 Sänften aus Seide, vielen chinesischen Schleiern und Schirmen.

260 Götter und Göttinnen wurden verehrt. Die Weihung des Tempels erfolgte 1186 zu Ehren von Prajnaparamita, dem buddhistischen Konzept der „Perfektion der Weisheit“. Wie viele der Tempelanlagen in Angkor ist Ta Prohm damit ein Beispiel für den Synkretismus der damaligen Khmer-Bevölkerung.


Tempel von Ta Prohm

Preah Khan,
"heiliges Schwert", früher "die glückliche, siegreiche Stadt" genannt.

Preah Khan war u.a. ein Ahnentempel, in dem in Schreinen neben Buddha 450 hinduistische Gottheiten, Geister, Ahnen und andere vergöttlichte Menschen verehrt wurden. Die Würgefeigen und Kapokbäume, die die Steine seit Jahrhunderten festhalten, bieten genügend Verstecke für die vielen Geister. Die Gründungsinschrift preist die Geschenke von 5324 Dorfbewohnern, die täglich 10 Tonnen Reis lieferten; 97 840 Menschen wohnten in einem Bereich von 56 ha. Vier Mauerringe und ein 40 m breiter Wassergraben schützten diese provisorische Hauptstadt, die später von Angkor Thom abgelöst wurde.


Tempel von Preah Khan

Beng Mealea

Dieser Tempel bietet sich noch recht abenteuerlich dar. Er ist nur schwer zugänglich, ein Labyrinth, das man nur über riesige Steine, Treppen und Stege entdecken kann. Man klettert über hohe Steinhaufen, geht durch dunkle, hohe Steingänge, vorbei an Fenstern mit typischem Sichtschutz durch gedrechselte Steinsäulen und entdeckt dabei immer wieder zwischen den Steinen verborgene, schöne Figuren mit feinsten Steinschnitzereien.

Es handelt sich um ein Kloster aus dem 11.Jh., etwas abseits gelegen, 40 km östlich von Angkor, ein ehemaliges Stadtzentrum.

Angkor Wat

Von allen Tempeln blieb nur Angkor Wat, die größte Tempelanlage, über die Jahrhunderte ein Ort des religiösen Lebens. (1113-1150 erbaut als Mausoleum des Königs)


Als Kambodscha noch ein Teil der französischen Kolonie Indochina war, entstand durch die Kolonialausstellungen in Marseille (1922) und Paris (1031) eine "Angkormania."

Blick auf den westlichen Torbau mit drei Türmen, 235 Meter lang
.

Illustration aus «Voyage au Cambodge» (1880) von Delaporte, Marineoffizier und Kartograph, der im Auftrag des Ministeriums für Erziehung und Künste 70 Tempelstatuen nach Paris gebracht hat, wo man sie fünf Jahre später auf der Weltausstellung präsentierte, nachdem sie noch kurz zuvor vom Louvre abgelehnt worden waren.


Blick auf die Türme des Haupttempels.

Über die Regenbogenbrücke gelangt man zur ersten Galerie, von der drei Tore den Weg über einen Damm zur zweiten Galerie ermöglichen. In den Steinen des ersten Eingangs finden sich 259 göttliche Wesen, die davata bzw. apsara (am Außenwall 124 und im inneren Wall 119 und in jedem Elefantentor 8).

In seiner Funktion als Sakralbau einer brahmanischen, höfischen Elite ist der Angkor Wat gebaut als Spiegelung des hinduistischen Weltbildes: Die Welt ist ein Viereck, umgeben von Gebirgsketten. Weit außerhalb befinden sich unendlich weite mythische Ozeane, und auf dem Berg Meru in der Mitte thronen die Götter. Der Tempel im Mittelpunkt mit seinen fünf Türmen symbolisiert den mythischen Göttersitz.

Anders als die Staats-Tempel des 9. bis 11. Jahrhunderts, ist Angkor Wat nicht nach Osten, sondern nach Westen orientiert. Neun schlanke Türme krönen eine dreistufige Pyramide. Die Stufen der Pyramide sind umrahmt von Galerien, von denen etwa 1.800 m mit Reliefs bedeckt sind. Die Spitze des zentralen Turms ragt 62 m über den Boden. Noch eindrucksvoller ist die vollendete Harmonie der Architektur.

Die harmonische Gestaltung wurde erreicht durch die Strukturierung der Tempel-Anlagen nach geometrischen Gesichtspunkten, wobei die Zahlen vier, drei und fünf eine wichtige Rolle spielten und vor allem die heilige hinduistische Zahl 108.

Angkor Thom (erbaut um 1200)
die große Hauptstadt mit 1 Million Einwohnern

Neben der riesigen Tempelanlage Angkor Wat gehört die Stadt Angkor Thom mit dem zentralen Bayon-Tempel zur eindrucksvollsten Ruine. Sie stellt eine gewaltige "hydraulische" Stadt mit einem Be- und Entwässerungssystem von mehr als 1000 qkm dar.
(Zum Vergleich: New York City ist rund 1200, ohne seine Wasserflächen weniger als 800 qkm groß. Berlin hat eine Fläche von knapp 900 qkm.)

Die Stadt war keine Ansammlung verstreuter Tempel, sondern ein durchgehendes, verflochtenes städtisches Netzwerk, das etwa zehnmal so groß war wie alles, was bisher aus der antiken Welt gefunden wurde.

Eine Mauer und ein Wassergraben schließen eine Fläche von 3.000 mal 3.000 m ein. Die fünf Tore sind geschmückt mit Gesichter-Türmen und langen Balustraden, Reihen von Göttern (links) und Dämonen (rechts), die eine große Schlange stützen. Vier Tore stehen in den Himmelsrichtungen und eines, das Sieges-Tor, in der Achse des (älteren) Königs-Palastes. Alle Tore wurden nach demselben Modell gebaut.


Wer Angkor Thom betritt und über die Riesenstraßen läuft, erblickt auf 20 m hohen Toren die 3 m hohen Stein-Gesichter des Bodhisattvas, des Gottes mit den königlichen Zügen. Die Höhe des Tors war bestimmt durch die Höhe eines Elefanten mit aufsitzendem Führer und der Höhe des fünffachen Ehrenschirms für den König.


Zwei Figuren aus der Götterreihe vor dem Stadttor

Die Bevölkerung, mehr als eine Million Menschen, bestand in der Mehrheit aus Bauern. Wahrscheinlich waren die Bauern nicht viel besser gestellt als kriegsgefangene Sklaven; über ihr Leben ist aus den Quellen nicht sehr viel zu erfahren. Inschriften bezeichnen sie mit verächtlichen Tiernamen und nennen sie gelegentlich auch "Stinker". Sklavenarbeit im Dienst der Klöster war der Lebensinhalt dieser Bauern; auf ihrer Sklavenarbeit beruhte auch die gesamte Architektur der ersten Jahrhunderte Angkors. Sie mussten mit Kriegsgefangenen die Bauten für die Könige aufrichten, die deren Ruhm der Nachwelt künden sollten.

"Bayon",
ein Hügel mit Gesichter-Türmen, der zentrale Tempel der Stadt Angkor Thom

Erbaut Ende 12. bis 13. Jahrhundert als Staats-Tempel von König Jayavarman VII. Etwa 60 Jahre hat man daran gebaut und geändert. Der Tempel ist zur Stadt nicht abgegrenzt; Stadtmauer und Wasser-Graben sind seine äußere Einfriedung.


"Big Brother Angkor"

Jeder Turm weist vier Gesichter auf, die in die vier Himmelsrichtungen schauen. 173 gigantische Masken an 48 Türmen: Gesichter des mitleidvoll-gütigen Lokeshvara, für Hindus und Buddhisten der «Herr der Welt», der Aspekte Shivas, Vishnus und Buddhas vereint, als Samantamukha, «der Allgegenwärtige», der das Universum nach allen vier Richtungen beschützt und segnet. Mit ihm vereinte sich der König nach dem Tode und nahm dessen Gestalt an, wie man aus Inschriften entnommen hat.

"Wenn es Lebewesen gibt, die verschiedene Leiden und Schmerzen ertragen, und wenn diese vom Bodhisattva Lokeshvara hören und mit ganzem Herzen dessen Namen rufen, so achtet der Bodhisattva sofort auf ihre Stimmen und Rufe und bewirkt, dass sie alle befreit und gerettet werden."

Der Grundplan des Bayon

Der Tempelturm als kosmischer Berg

Der westliche und östliche Baray (s. Karten des Tempelbereichs von Angkor) waren riesige rechteckige Wasserreservoire der Angkorzeit, Herzstücke der so genannten "hydraulischen" Stadt, zugleich Symbole kosmologischer Vorstellungen. Ein Baray repräsentierte genau wie ein Khmer-Tempel diese Vorstellungen. Die vier Seiten der Anlagen sind nach den Haupthimmelsrichtungen ausgerichtet, womit die Harmonie mit Erde und Himmel beschworen wird. Die Wasserfläche symbolisiert den Ozean, eine Tempelinsel in der Mitte den Berg Meru, der aus dem Urchaos aufgetaucht ist und um den sich die Welt in einer streng geometrischen Struktur anordnet. Der Berg verbindet Himmel und Erde, ist das Zentrum der Welt mit einem, drei oder fünf Gipfeln, auf denen sich die Götter aufhalten. Im Innern befindet sich die quadratische Cella (Embryokammer bzw. Uterus der natürlichen Welt), ein Symbol der Vollkommenheit. Aus ihr heraus entwickelt sich das Absolute in die göttliche Gegenwart, sichtbar gemacht durch vier aufeinander gesetzte Stockwerke, die sich in jeder Stufe im Aufbau wiederholen.


Tempel Banteay Srei,
der kleine Tempel mit den schönsten Dekorationen zeigt vierfach gestufte Türme.
1914 als Steinhaufen unter Gestrüpp entdeckt. 1931-1936 wieder aufgebaut.

Rückblick auf frühe Tempelanlagen


Das Symbol Shivas, ein Lingam-Tempel in Koh Ker

Jayavarman II. führte 802 die Verehrung der indischen Gottheit Shiva ein, weswegen nun bis ins Jahr 1219 fast jeder Gottkönig einen Staatstempel für seinen Lingam baute. Der Lingam, häufig als Phallus interpretiert, war als Symbol Shivas auch das Symbol des Kultes. In ihm wurde die Seele des Gottkönigs bewahrt. Die Tempel fungierten als Quelle und Zentrum der Macht, sowie als spirituelles Rückgrat des Reiches. Weitere Tempel dienten der Ahnenverehrung oder als Klöster.


Koh Ker, fünfstufige Pyramide, Teil einer Königsstadt aus dem 10. Jh.,
125 km von Angkor Wat entfernt. (90 Dollar Taxi und 10 Dollar Eintritt)

Im 9. Jahrhundert entstehen fünfstufige Pyramiden, und zu den Haupttürmen gesellen sich im Laufe der Zeit die vier typischen Nebentürme, die in Quincunx-Anordnung gehalten sind, vier Türme umgeben einen zentralen Turm und nehmen durch Verbindungen die Gestalt eines Kreuzes an. Das innerste Heiligtum ist aus astrologischen Gründen nach einer Ost-West-Achse ausgerichtet und hat gewöhnlich nur eine nach Osten weisende Öffnung und falsche Türen an den anderen Seiten. Weitere Gebäude sind Empfangs- und Meditationshallen, sowie Bibliotheken für die heiligen Schriften, die oft paarweise angeordnet wurden und sich in Richtung des Heiligtums öffnen. Um die zentralen Gebäude herum finden sich Dammwege und Gräben und zumeist nicht verzierte, konzentrische Einfassungsmauern, normalerweise ein bis drei, in seltenen Fällen auch mehr. An Kardinalpunkten sind Tore eingelassen, die im Laufe der Zeit immer prächtiger werden und in der Spätphase die Form von Torbauten (gopuram) mit Vorkammern und Türmen annehmen.

Die Apsaras

In vielen Tempeln sehen wir die Apsaras, erotische Frauenbilder, die sich als Tänzerinnen oder als lächelnde Schönheiten präsentieren.

Auf Lotosblüten tanzende Apsaras in Stein und lebendiger Tanz für Touristen. Die grotesken Körper- und Handhaltungen, das Heben eines Beins, stehend und knieend, und die zeitlupenartigen Bewegungen von Kopf und Körper mit abwesendem, fast starrem Gesichtsausdruck, - manchmal gelingt ein khmerisch-überirdisches Lächeln - führt den Betrachter in eine ideelle Figurenwelt, die man als Darstellung von göttlichen Wesen interpretieren kann.

Der Begriff "Apsara" stammt aus dem Sanskrit und bedeutet "Wasserwandlerin". In der indischen Mythologie sind die Apsaras nymphenähnliche Halbgöttinnen von verführerischer Schönheit, die den Himmels- und Luftraum bewohnen und beim Quirlen des Milchozeans entstanden sind. Diese wichtige Geschichte, die auch in den Reliefs von Angkor Wat dargestellt wird, erzählt, wie die Götter nach der Sintflut einen Quirl aus einer Schildkröte, einem Berg und einer Schlange bildeten und so gemeinsam mit den Dämonen - beide Gruppen zogen die Schlange hin und her - alle verschwundenen Dinge wieder zum Vorschein bringen konnten.

Die beim Quirlen gleichsam als Schaumgeborene entstandenen Apsaras werden in Kunstwerken verschiedener Art immer wieder dargestellt. Auch im klassischen kambodschanischen Tanz spielen sie eine Hauptrolle. Der am häufigsten aufgeführte Tanz "Robam Moni Mekhala" erzählt symbolisch von den Naturereignissen zu Beginn einer Regenzeit. Die Entstehung von Donner und Blitz wird als eine Konfrontation zwischen einem Riesen und einer Göttin getanzt. Die fliegende Axt des Riesen erzeugt den Donner und die glitzernde Kugel der Göttin beleuchtet den Himmel durch Blitze.

Hinter den zeitlupenhaften Bewegungen der Tänzerinnen sollen sich über 3.500 verschiedene Handbewegungen und Gesten verbergen. Deshalb beginnt eine Ausbildung zur Tänzerin meist schon im Kindesalter.

Die grauen Sandstein-Reliefs und -Wände waren einst vergoldet und polychrom bemalt, ähnlich wie die weißen Marmorfiguren in der griechischen Antike.

Der Haar- und Kleiderschmuck der Frauen wurde mit der Zeit immer kunstvoller, wie an den Figuren aus den verschiedenen Epochen abzulesen ist. Zu sehen ist beides noch bei den Tänzen. Vielleicht hängen die zerbrechlichen Haarkronen zusammen mit den langsamen Bewegungen der Tänzerinnen.


Haarschmuck und Kopfkronen der Apsaras

Die "Schnitzkunst" der Steinmetze

Zu den hervorragendsten Tempeln in Bezug auf die Schnitzkunst der Steinmetze gehört der kleine Brahmanentempel Banteay Srei. "Die Zitadelle der Frauen", Name der Dorfbewohner in Hinblick auf die üppigen Devatas oder "Frauentempel" genannt, obwohl er von einem Brahmanen zu Ehren des Gottes Shiva im 10.Jh. erbaut wurde.

Blätter und Zweige wachsen aus Mundöffnungen (Makara-Zähne und Garuda-Schnabel), gehen in phantastische Köpfe über. Seemonster speien andere Monster aus. Floraler Dekor mit feinsten Detaildarstellungen strahlenförmig, eingerollt, sich schlangenförmig windend, mal inhaltlich darstellend, mal abstrakt dekorativ, mal Schlange, mal Girlande. Im scheinbaren Chaos eingepasst größere Figuren und Figurengruppen in erzählenden Szenen. In den Darstellungen der christlich europäischen Kunst der Kelten, der Barock- und Renaissancezeit finden sich ähnliche Dekorationen, die Flechtwerk mit Tieren und menschlichen Figuren verbinden. (s. meinen Bericht über spanische Kuriositäten)

Die Steinmetzarbeiten sind Nachahmungen von Holzschnitzereien, die nach der Übertragung von Papier auf den Stein mit Steinbohrern erstellt wurden. Die figürlichen Darstellungen und die Ornamente gehören sicherlich zu den schönsten plastischen Arbeiten weltweit.

Die zwei Bildergalerien im Bayon


Eine Reliefwand im Bayon

Der zentrale Tempelberg Bayon ist von zwei konzentrischen quadratisch angelegten Galerien umgeben (s.o.), deren Wände eine Reihe von Reliefs tragen. Jene der äußeren Galerie zeigen

-historische Erzählungen der Khmer, zum Beispiel aus den Kriegen gegen die Cham (einem östlich gelegenen Nachbarreich im heutigen südlichen Vietnam),

-den fischreichen Tonle-Sap-See und

-Alltagsszenen aus dem Leben des Königs und der Bewohner der Stadt Angkor Thom.

Die Reliefs der inneren Galerie stellen neben weiteren Illustrationen historischer Ereignisse auch eine Reihe von Szenen aus der hinduistischen Mythologie dar.


Vorbereitungen für ein Festessen mit Affen in den Bäumen und ein Verpflegungstross
mit Soldaten, Ochsengespann, Elefant und Arbeitern

Die vier Galerien in Angkor Wat zeigen folgende Szenen:

-die Schlacht von Lanka aus dem "Ramayana", in der Rama mit seinen Verbündeten, darunter auch das Affenheer, Ravana bekämpft und Sita rettet.

-die Schlacht von Kurukshetra aus dem indischen Epos Mahabharata, den Kampf der Kauravas und Pandavas.

-eine Prozession Suryavarman des II., des Erbauers von Angkor Wat, und seine Armee. Hier wird ein geschichtliches Ereignis anstelle mythologischer Geschehnisse dargestellt.

-Strafen und Belohnungen, die in den 37 Himmeln und 32 Höllen warten.

-das Quirlen des Ozeans aus Milch durch 92 Götter und 88 Asuras (Dämonen) aus dem Bhagavata-Purana, die gemeinsam an der grossen Naga Vasuki ziehen, die um den Berg Mandara gewickelt ist. s.o.

-den Sieg Vishnus über eine Reihe von Dämonen. Vermutlich wurde dieses Relief erst lange nach der Errichtung des Angkor Wat, etwa im 16. Jahrhundert, angefertigt. Im Vergleich zu den anderen Reliefs ist dieses von schlechterer Qualität.

-den Sieg Krishnas, der auf einem Garuda sitzt, über den Dämonenkönig Bana, dessen Leben er aber verschont. Auch dieses Relief stammt aus späterer Zeit.

-die Schlacht zwischen Göttern und Dämonen. Dieses Relief ist wiederum sehr fein herausgearbeitet und zeigt auf 94 m Länge eine Schlacht zwischen den 21 wichtigsten Göttern und einer Anzahl von Dämonen. Dieses Relief ist deshalb so interessant, weil es die Götter mit ihren Attributen zeigt, z.B. den vielarmigen Vishnu, der auf einem Garuda reitet, und Brahma, der auf der heiligen Gans Hamsa reitet.


König in einer Prozessionssänfte mit zwei Pferden

Wandmalereien im Königspalast von Phnom Penh


Fächer für eine Prozession. Im Hintergrund die schönen Wandmalereien im Königspalast von Phnom Penh, die sich in einem erbamenswerten Zustand befinden.


Ein gut erhaltenes Detail aus der Wandmalerei: der fliegende Affengeneral Hanuman trägt die gerettete Sita auf seiner Hand zurück nach Indien.

2. Die Minderheiten in den Bergen des Nordostens

3. Die Religionen Kambodschas

4. Die Zeit der Roten Khmer und die Minen


Nach dem großen Laufpensum durch die weitläufigen Tempelanlagen tut eine Fussmassage in Siem Reap richtig gut.

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